Konfiguration des Zero-Touch-Rollouts

Ausgangslage

In einem Filial-Rollout ist es auf Grund der hohen Zahl an Geräten erforderlich, die R&S®NC-Geräte nicht vorkonfigurieren zu müssen. Sie sollen stattdessen in Betrieb gehen, nachdem sie die Konfiguration von einem zentralen LSR-Server erhalten haben, vergleichbar dem "Zero-Touch-Management" bei einem WLC.

Rahmenbedingungen

Damit dieser "Zero-Touch-Rollout" über den Rollout-Agenten des Gerätes funktioniert, sind einige Rahmenbedingungen zu erfüllen:

Wichtig: Der DHCP-Server überträgt sensitive Daten wie z. B. das Rollout-Passwort ungesichert als DHCP-Nachricht. Es ist also darauf zu achten, die Daten nur über entsprechend abgesicherte Verbindungen zu transportieren.

Ablauf

Der Konfigurations-Rollout läuft wie folgt ab:

  1. Das unkonfigurierte Gerät wird an das Filial-Netz angeschlossen.
  2. Über den DHCP-Server bezieht das Gerät die erforderlichen Verbindungsdaten wie IP-Adresse, Gateway, Netzmaske, DNS-Adresse und die DHCP-Option 43.
  3. Aus der DHCP-Option 43 dekodiert das Gerät die URL des Rollout-Servers sowie zusätzliche Informationen und konfiguriert damit den Rollout-Agenten des Gerätes.
  4. Der Rollout-Agent kontaktiert daraufhin den Rollout-Server und führt den Rollout nacheinander in zwei Schritten durch:
    • Firmware-Update
    • Konfigurations-Update

Der Rollout-Agent erwartet, dass der unter der konfigurierten Firmware-Server-URL erreichbare Rollout-Server eine Firmware im .upx-Format ausliefert, die er anschließend in das Gerät einspielt.

Nach dem Firmware-Update startet das Gerät neu und kontaktiert den Rollout-Server erneut. Der Rollout-Agent prüft, ob die vom Rollout-Server ausgelieferte Firmware bereits installiert ist. Diese Prüfung ist erfolgreich, da das Gerät im ersten Schritt die aktuelle Firmware erhalten hat. Der Rollout-Agent fährt mit dem Update der Konfiguration bzw. dem Download von Skriptdateien fort. Er erwartet, dass der unter der konfigurierten Config-Server-URL erreichbare Rollout-Server ein Skript im .lcs-Format ausliefert, das er anschließend auf in das Gerät einspielt.

Die DHCP-Option 43

Die DHCP-Option 43 ist herstellerspezifisch, d. h., jeder Hersteller kann selbst entscheiden, wie er diese Option strukturiert und welche Informationen er darin kodiert. Die Option kann mehrere sogenannter Sub-Typen enthalten, die die Daten detaillierter strukturieren.

Für den Rollout-Agenten des Gerätes sind die folgenden Sub-Typen spezifiziert:

Sub-Type 1: Config-Server-URL
Die Angabe der Server-Adresse ist in den folgenden Formaten möglich:
  • HTTP, HTTPS, TFTP
  • IP-Adresse, FQDN
Beispiele:
  • https://rollout:443/
  • tftp://10.1.1.1
  • http://10.1.1.2/test
Auch die Angabe von LCOS-Variablen ist möglich Der Rollout-Agent erwartet, dass der unter dieser Adresse erreichbare Rollout-Server auf seine Anfrage hin ein Konfigurations-Skript mit der Erweiterung .lcs sendet.
Anmerkung:

Handelt es sich beim Rollout-Server um einen LSR, muss der Adresse das Präfix lsr: vorangestellt sein, z. B. lsr:https://rollout:443/. Anschließend baut der Rollout-Agent die korrekte LSR-Rollout-URL aus den Sub-Types 5 und folgende zusammen. Entsprechend sind die Sub-Types ab 5 nur bei der Verwendung dieses Präfixes von Bedeutung.

Handelt es sich beim Rollout-Server um keinen LSR, ist die Angabe der URLs für Config-Server und Firmware-Server von Hand und unter Verwendung von Variablen notwendig.

Sub-Type 2: Firmware-Server-URL
Wie bei Sub-Type 1, allerdings erwartet der Rollout-Agent, dass der unter dieser Adresse erreichbare Rollout-Server auf seine Anfrage hin eine Firmware-Datei mit der Erweiterung .upx sendet.
Sub-Type 3: HTTP-Username
Enthält den Usernamen für die HTTP-Authentifizierung in der URL (entsprechend http://username:password@server)
Sub-Type 4: HTTP-Password
Enthält das Passwort für die HTTP-Authentifizierung in der URL (entsprechend http://username:password@server)
Sub-Type 5: LSR-Projektnummer
Enthält die im Rollout-Server für das erforderliche Rollout-Projekt gespeicherte Projektnummer.
Sub-Type 6: Zusätzliche URL-Parameter für LSR-Keyword
Der Rollout-Agent fügt diesen Inhalt an die konstruierte LSR-URL an (z. B. ?approval=yes).
Sub-Type 7: Reboot-Time
Gibt die Wartezeit in Minuten für den Restart des Gerätes nach dem Update durch den Rollout-Server an.
Sub-Type 8: Request-Interval
Gibt den Intervall in Minuten an, in dem der Rollout-Agent seine Anfragen an den Rollout-Server sendet.
Sub-Type 9: TAN
Dieser Eintrag enthält die Rollout-TAN.
Sub-Type 10: Gerätenummer
Enthält die Gerätenummer des zu aktualisierenden Gerätes.
Sub-Type 11: Request-Delay
Enthält die Zeit in Minuten, die der Rollout-Agent zwischen Request 1 und Request 2 wartet.
Sub Type 12: Request-Random
Diese Einstellung verhindert, dass alle am Rollout beteiligten Geräte zeitgleich beim LSR-Server eine Konfiguration anfordern. Die folgenden Angaben sind möglich:
0
Die Anfragen erfolgen immer mit fest eingestellten Zeitangaben.
1
Legen Sie mit diesem Eintrag fest, dass die Anfrage nach einem Rollout zufällig erfolgt.
Sub-Type 13: Omit-Certificate-Check
Dieser Wert legt fest, ob der Rollout-Agent die Überprüfung des Rollout-Server-Zertifikats überspringen soll.
Anmerkung: Fehlt dieser Sub-Type oder ist sein Inhalt leer, nimmt der Rollout-Agent den Wert "0" an und prüft somit das Server-Zertifikat.
Wichtig: Beachten Sie bitte, dass die vom Rollout-Server erhaltene Konfiguration den Rollout-Agent zum Abschluss abschalten sollte (Operating: no), da das Gerät sonst nach der Reboot-Time rebootet und den Rollout-Prozess erneut durchführt.

Variablen

In den URLs sind alle Variablen verwendbar, die die LCOS-Konsole beinhaltet. Diese Variablen lassen sich in der Konsole über den Befehl printenv ausgeben.

Die Angabe der Variablen in den URLs erfolgt mit vorangestelltem "$" (z. B. $__SERIALNO).

Erzeugung der DHCP-Option 43

Die Erzeugung der DHCP-Option 43 erfolgt auf Grundlage der RFC 2132, Abschnitt 8.4.

Die DHCP-Option 43 kann beim DHCP-Server eines R&S®NC-Gerätes ebenfalls hinzugefügt werden. Siehe hierzu DHCP-Optionen.

Bei Verwendung eines ISC DHCPd DHCP-Server kann die Option 43 passend mit dem folgenden Konfigurationsabschnitt beispielhaft erzeugt werden:

Innerhalb der allgemeinen Konfiguration
option space Rollout;
option Rollout.config-server code 1 = text;
option Rollout.firmware-server code 2 = text;
option Rollout.HTTP-Username code 3 = text;
option Rollout.HTTP-Password code 4 = text;
option Rollout.Projectnumber code 5 = text;
option Rollout.AdditionalParams code 6 = text;
option Rollout.RebootTime code 7 = text;
option Rollout.RequestInterval code 8 = text;
option Rollout.Tan code 9 = text;
option Rollout.Devicenumber code 10 = text;
option Rollout.RequestDelay code 11 = text;
option Rollout.RequestRandom code 12 = text;
option Rollout.OmitCertCheck code 13 = text;
Innerhalb der Subnetz-spezifischen Konfiguration
vendor-option-space Rollout;
	option Rollout.config-server "LSR:https://10.200.50.1:443";
	option Rollout.firmware-server "LSR:https:// 10.200.50.1:443";
	option Rollout.HTTP-Username "RolloutUser";
	option Rollout.HTTP-Password "Secret";
	option Rollout.Projectnumber "1";
	option Rollout.RebootTime "300";
	option Rollout.RequestDelay "20";
	option Rollout.RequestRandom "0";
	option Rollout.OmitCertCheck "2";

Andere DHCP-Server (z. B. der Microsoft DHCP-Server) lassen keine Definition der Option 43 in der Konfiguration zu. Hier muss die vom Server als Option 43 auszuliefernde Bytefolge vorgefertigt in die Konfiguration eingefügt werden.

www.rohde-schwarz.com/networks-and-cybersecurity

Rohde & Schwarz Networks and Cybersecurity GmbH | Adenauerstr. 20/B2 | 52146 Würselen | Deutschland | E‑Mail info.rs-nc@rohde-schwarz.com

Rohde & Schwarz Logo