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Dokumentation:

Techpaper Migration

Fragen

Allgemeine Fragen

Was ist IPv6?

IPv6 steht für Internet Protocol Version 6 und ist der Nachfolger des IPv4. Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Standards ist die Größe der IP-Adressen und daraus folgend, die Anzahl der verfügbaren IP-Adressen. Bei IPv6 besteht eine IP-Adresse aus 128 Bit, während sie bei IPv4 aus 32 Bit besteht.

Wie lange wird es noch IPv4-Adressen geben?

Der Übergang zu IPv6 ist ein langfristiger Prozess (siehe Migration zu IPv6). Die Verteilung von IP-Adressen verläuft in drei Schritten: Die IANA (Internet Assigned Numbers Authority) verteilt IP-Adressbereiche an die fünf RIR (Regional Internet Registries), die diese auf die einzelnen LIR (Local Internet Registries) verteilt. Die LIR verteilen schließlich die IP-Adressen an Ihre Kunden. Diese Staffelung hat zur Folge, dass je nach LIR noch IPv4-Adressen verfügbar sein können, während andere nur noch IPv6-Adressen zur Verfügung haben. Die IANA hat die letzten IPv4-Adressen vom Block /8 am 31.01.2011 vergeben, die APNIC (Asia Pacific Network Information Centre) am 15.04.2011 und ARIN (American Rgistry for Internet Numbers) am 23.04.2014.

Die für Deutschland zuständige Organisation (RIPE NCC) vergibt seit September 2012 ebenfalls Adressen aus dem letzten Block, betont aber, dass das Internet auch dann weiterhin funktionieren wird.

Bestandskunden, wie z. B. Unternehmen die bereits über Internetanschlüsse und eine eigene Website verfügen, müssen sich zunächst keine Sorgen machen: Das IPv6-Internet wächst langsam und es gibt für praktisch jedes Szenario eine Möglichkeit dieses zu erreichen. Lediglich für Neukunden, wie neue Provider und neue Websites, kann es zu der Situation kommen, dass keine IPv4-Adressen mehr verfügbar sind. Doch auch dies ist aktuell vor allem in den sogenannten „Emerging Markets“, insbesondere in Asien, zu erwarten.

Unser Unternehmen hat eine reine IPv4-Infrastruktur – wie sind IPv6-Websites dennoch erreichbar?

Sie nutzen wie gewohnt einfach weiterhin IPv4 um eine Verbindung zum Internet aufzubauen und sind auch weiterhin für Ihre Kunden erreichbar. Für den Zugriff auf das IPv6-Internet können Sie beispielsweise Dienste nutzen, die eine Umsetzung der eigenen IPv4-Adresse in eine IPv6-Adresse ermöglichen. Hierunter fallen Proxys für Websites in IPv6 oder Tunnelmechanismen (siehe Glossar) wie 6to4, 6in4 oder die Protokolle Teredeo (Microsoft) bzw. Miredo (Linux).

Was bedeutet die Umstellung von IPv4 auf IPv6 für Unternehmen?

Es wird kein plötzliches Umschalten von IPv4 auf IPv6 geben. Der Migrationsprozess ist langwierig und derzeit arbeiten alle wichtigen Akteure an der technischen Umsetzung. Da beide Internetprotokolle über sehr lange Zeit parallel existieren werden, ist ein langsamer Übergang möglich. IPv4 wird auf sehr lange Sicht nicht abgeschaltet werden. Es ist jedoch sicher, dass für die dynamische Weiterentwicklung des Internets IPv6 absolut notwendig ist.

Was muss bei der Umstellung auf IPv6 beachtet werden?

Aktuelle Client- und Serverbetriebssysteme sind bereits IPv6-fähig, allerdings bieten die meisten Internetprovider meist noch keinen nativen IPv6-Zugang an. Deshalb empfiehlt sich, das parallele Betreiben von IPv6 und IPv4, durch Zuweisung beider Adressen durch den ISP, sogenanntes Dual Stack, was bereits erfolgreich von bundesweiten Providern durchgeführt wird. Der finale Schritt ist, die Infrastruktur generell auf Basis von IPv6 zu betreiben und über Tunnelmechanismen die Zugangsmöglichkeit zu IPv4-Netzwerken zu ermöglichen.

Welche LANCOM Netzwerkkomponenten sind bereits IPv6-fähig?

Eine genaue Übersicht darüber, welche LANCOM Geräte welche IPv6-Features unterstützen, finden Sie hier.

Welche Provider unterstützen bereits IPv6?

Eine Auswahl an Providern die bereits IPv6 unterstützen finden Sie hier

Technische Fragen

Wofür werden die unterschiedlichen IP-Adressen bei IPv6 genutzt?

  • Link-Local: Wird zur Kommunikation auf dem lokalen Link und als Basis für die Autokonfiguration verwendet, um eine globale Unicast-Adresse zu erhalten.
  • Global-Unicast: Diese Adresse wird zur Kommunikation im Internet verwendet - sie ist eindeutig und öffentlich.

Ist mein Gerät weltweit immer mit der gleichen IPv6-Adresse identifizierbar?

Nein. Jedes Endgerät bzw. jeder Client kann zwar eine weltweit eindeutige IPv6-Adresse vom Typ Global Unicast erhalten, diese ändert sich aber, sobald das Gerät das Netzwerk wechselt, z. B. vom Heimnetzwerk ins Firmennetzwerk oder ins Mobilfunknetz. Damit ein Endgerät auch im gleichen Netzwerk nicht identifizierbar ist, wurden die Privacy Extensions eingeführt. Dabei wechselt ein Endgerät regelmäßig seinen Interface Identifier und ist somit nicht über die MAC-Adresse identifizierbar. Die Privacy Extensions sind eine Funktion des Clients.

Welche der wichtigen Protokolle haben veränderte Funktionsweisen bei IPv6?

  • Broadcast: Nicht vorhanden, wird durch Multicast ersetzt.
  • ARP: Nicht vorhanden, wird durch Neighbour-Discovery ersetzt.
  • DHCP: Bei der Stateful-Autokonfiguration wird DHCPv6 eingesetzt, während bei einer Stateless-Autokonfiguration darauf verzichtet werden kann. Es ist allerdings möglich, DHCPv6 auch in einer Stateless-Autokonfiguration zu nutzen, um zum Beispiel DNS-Server und ähnliche Optionen vorzugeben.
  • DNS: Es gibt kein DNSv6, es werden lediglich zu den vorhandenen A-Records des DNS zusätzliche AAAA-Records für IPv6 hinzugefügt.
  • ICMP: Es gibt ICMPv6, welches unter anderem für die Neighbour-Discovery und weitere Funktionalitäten verwendet wird.
  • NAT: NAT ist prinzipiell nicht für IPv6 vorgesehen.
     

Welche wichtigen Neuerungen bringt IPv6?

Zusätzlich zu dem erweiterten Adressbereich bietet IPv6 eine wichtige Neuerung: Die Stateless-Address-Autoconfiguration (SLAAC) ermöglicht es dem Client, mit einem von einem Router angekündigtem Prefix eine IP-Adresse eigenständig zu generieren. Hierbei verhindert das Neighbour-Discovery von IPv6 eine doppelte Vergabe von IP-Adressen.

Wie erhält unser Unternehmen Zugang zu IPv6?

  • Ihr Provider bietet natives IPv6 an, zusätzlich zu IPv4, sogenanntes Dual Stack (empfohlener Weg).
  • Über einen Tunnelbroker mit einem 6in4-Tunnel.
  • Mit einer IPv6-fähigen Firmware.

  • LANCOM rät vom Einsatz von 6to4 ab. Stattdessen sollte möglichst natives IPv6 oder 6in4 verwendet werden.