WLAN-Meilenstein in der EU: Wi-Fi-Spektrum verdoppelt sich

Veröffentlicht am: 30. Juni 2021 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Netzpolitik, Technologie Keine Kommentare

Es ist ein bedeutender Meilenstein für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik: Mehr als 15 Jahre nach der letzten WLAN-Spektrumserweiterung hat die EU heute einen 500 MHz-breiten Frequenzblock im unteren 6 GHz-Band zur lizenzfreien Nutzung durch WLAN freigegeben. Mit der Veröffentlichung im Official Journal der EU (OJEU) ist der Weg nun frei für das Gigabit-WLAN in Europa.

Unser großer Dank geht vor allem an die politischen Entscheider und Regulierer in der EU, die eine schnelle und gezielte Umsetzung möglich gemacht haben. Viele Interessengruppen aus Wirtschaft und Gesellschaft haben in den letzten Jahre den Freigabeprozess begleitet und auch die LANCOM hat von Beginn an tatkräftig dabei unterstützt, das neue, störungsarme Frequenzband für WLAN in Europa zu öffnen. Doch trotz aller Freude sollte dies nur eine Momentaufnahme sein, denn auch in der EU dürfen wir gerne nach einem noch höheren Ziel streben: der Öffnung des gesamten 6 GHz-Spektrums für WLAN.

Die Welt geht voran

Ein Blick auf den „Wi-Fi Globus“ zeigt, dass führende Wirtschaftsnationen wie die USA, aber auch Brasilien oder Südkorea einen entscheidenden Schritt weiter sind: Sie haben das komplette 6 GHz-Band zur WLAN-Nutzung (5925–7125 MHz) freigegeben. Das sind ganze 1200 MHz, die neu zur Verfügung stehen – und damit mehr als doppelt so viel wie in Europa.
Und die USA, Südkorea sowie diverse lateinamerikanische Staaten sind nur die Vorreiter. Die Liste der Befürworter für die Freigabe des ganzen Bandes ist deutlich länger: Mit Australien, Mexiko und Japan bereiten derzeit weitere Länder die Öffnung vor. Die wirtschaftlichen Argumente für einen solchen Schritt liegen auf der Hand: So schätzt die WiFi Alliance die zu erwartende globale Wertschöpfung durch WLAN im Jahr 2025 auf rund 5 Billionen US-Dollar.

Europa: Alle oder keiner

In Europa gibt es für diesen Schritt noch keine breite Unterstützung. Einige EU-Mitgliedsstaaten sorgen sich um das störungsfreie Funktionieren bestehender Richtfunkstrecken (im Fachjargon: „Incumbents“), die sie vom unteren ins obere 6 GHz-Band verlegt haben. Wieder andere stehen der Öffnung des oberen Bandes durchaus positiv gegenüber. Da die Europäischen Union jedoch eine einheitliche harmonisierte Lösung anstrebt, gilt auch hier: alle oder keiner.

Wir haben jedoch die Hoffnung, dass sich die Ängste um die Richtfunkstrecken zerstreuen lassen. Das 6 GHz-Band ist als Träger für die Indoor-Kommunikation reguliert. Die Rahmenbedingungen für das untere 6 GHz-Band lassen nur Geräte mit einer typischen Indoor-Sendeleistung von 200 mWatt zu. „Fixed Outdoor“ – also der feste Einsatz in Außenbereichen – ist schon hier nicht vorgesehen.

Würde dieses Prinzip auf das obere Band ausgeweitet, könnten Störungen bestehender Funkinstallationen ohne nennenswerten regulatorischen und technischen Aufwand ausgeschlossen werden. Denn der ECC-Standard, der für das untere Frequenzband ausgearbeitet wurde, kann relativ schnell auch auf das restliche Band übertragen werden.

Erweiterung auf Knopfdruck

Was jedoch würde in diesem Augenblick mit all den neuen WiFi 6E-Geräten passieren, die in den nächsten Monaten in der EU auf den Markt kommen? Hätten sie schneller wieder ausgedient als der Verbraucher gucken kann? Oder ließe sich ihre Leistung per Knopfdruck – oder richtiger: per Firmware-Update – einfach auf das ganze Band erweitern? Die Antwort ist einfach: Es kommt auf den Hersteller an!

Bei LANCOM werden wir unsere WiFi 6E-WLAN Access Points für den europäischen Markt softwareseitig zunächst so auslegen, dass sie nur die zulässigen Frequenzbereiche nutzen können. Das heißt, sie werden auf die Leistung „reduziert“, die in Europa gesetzlich erlaubt ist. Sollte es in Zukunft zu einer Freigabe des oberen 6 GHz-Bandes kommen, wird dieses einfach per Software-Update freigeschaltet, und das volle Potenzial des 6 GHz-Bandes ist nutzbar.

Ob andere Hersteller diese Option auch bieten, wird man abwarten müssen.

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