WLAN auf dem Mars

Blog_Titel_Astronaut_300px_neuEines vorweg: Der Titel dieses Blog-Beitrags muss mit einem Augenzwinkern gelesen werden. Wir planen nicht, WLAN-Komponenten für den Einsatz in extraterrestrischer Umgebung zu entwickeln. Der Zusammenhang zwischen unserem WLAN und dem roten Planeten ist dennoch schnell erklärt: Seit einigen Jahren unterstützen wir mit unseren WLAN-Komponenten die Forschungsarbeit des Österreichischen Weltraum Forums, eine Gemeinschaft von Raumfahrtspezialisten und Weltrauminteressierten.

Das ÖWF entwickelt unter anderem den Aouda Raumanzug-Simulator. Der 45 Kilogramm schwere „Simulator“ vermittelt dem “analogen Astronauten” das Gefühl, er trüge tatsächlich unter realen Bedingungen einen Mars-Raumanzug. Einzig eine WLAN-Antenne, die aus dem Rucksack des Aouda herausragt, lässt darauf schließen, dass hier Funktechnik im Spiel ist. Der Anzug bzw. die Technik im selbigen wählt sich in eine bereitgestellte WLAN-Funkzelle ein, damit Astronaut und Anzug in Echtzeit mit dem Basislager kommunizieren können. Das WLAN-Signal wird über eine WLAN-Richtfunkstrecke vom Basislager bis zu dem Punkt gebracht, an dem das Expeditionsteam arbeitet. Dort wird ein entsprechendes Drahtlosnetzwerk aufgespannt, in das sich der Aouda einbucht. Soweit die Theorie.

Foto: ÖWF / Paul Santek

Foto: ÖWF / Paul Santek

Besonders spannend wird es immer dann, wenn das ÖWF die Theorie in die Praxis umsetzt und einen seiner Feldtests unternimmt, zum Beispiel 2012 in die Mammut- und Rieseneishöhlen der Dachsteinregion in Österreich oder 2013 in die nördliche Sahara in der Nähe von Erfoud, Marokko. Dieser Tage ist ein solcher Test unter extremen Bedingungen wieder im vollen Gang. Diesmal wurde der Kaunertaler Gletscher in Österreich als Ziel auserkoren. Unter großem Medieninteresse testet das ÖWF dort Anwender und Equipment auf Herz und Nieren. Unser WLAN muss sich dabei als Rückgrat für die Kommunikation zwischen Expeditionsteam und Basisstation beweisen.

Neben den biomedizinischen und technischen Daten, die der Anzug und sein Träger ständig übermitteln, empfängt und sendet der Aouda ebenfalls Signale zur Kommunikation, Videoübertragung, Temperaturmessung, CO2- und O2-Auswertung, Luftdruck und –feuchtigkeitsmessung, GPS-Ortung und Beschleunigung. Die Daten werden in Echtzeit übertragen – natürlich kabellos und mit neuester WLAN-Technik.

Schnell wird bei den Feldtests deutlich, warum das ÖWF für seine Missionen besonders robuste Outdoor WLAN Access Points gewählt hat. Zuverlässigkeit spielt eine enorm wichtige Rolle. Schließlich hängt die gesamte Kommunikation des Expeditionsteams von einem stabilen Funksignal ab. Darüber hinaus werden die Vitaldaten des Anzugträgers in Echtzeit überwacht, um jederzeit auf Schwierigkeiten angemessen reagieren zu können. Unter den extremen Bedingungen, die in einer Rieseneishöhle, in der Wüste oder auf einem Gletscher vorherrschen, muss auf die Datenübertragung Verlass sein. Da braucht es Hardware, die sehr hohen und niedrigen Temperaturen gleichermaßen widersteht, der aber auch Spritzwasser und Sand nichts anhaben kann.

Das ÖWF leistet tolle und mitreißende Forschungsarbeit und wir freuen uns, dass wir ein Teil dieses Abenteuers sein dürfen. Geschichten über Forschung und Wissenschaft faszinieren mich. Wenn wir dann noch mit unserer Hardware einen Beitrag dazu leisten, den Weg für zukünftige bemannte Mars-Expeditionen zu ebnen, dann ist das eine runde Sache. Da dürfen wir uns auch ein wenig wie echte Mars-Pioniere fühlen.

 

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