Willkommen WiFi 6 & 5G, Adieu UMTS: Viel Neues an der Luftschnittstelle

Veröffentlicht am: 10. Februar 2020 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Technologie, Trends Keine Kommentare

Es tut sich einiges an der Luftschnittstelle: Gleich zwei neue Standards werden uns mit 5G und Wi-Fi 6 in diesem Jahr ordentlich auf Trab halten. Medial sorgten beide zwar bereits in 2019 für ordentlich Furore, nur so richtig in der Praxis angekommen waren sie noch nicht. Doch genau das soll sich jetzt ändern: 2020 soll abgeliefert werden – im wahrsten Sinne des Wortes.

Wi-Fi 6: Der Turbo für lokale Drahtlosnetze

Im vergangenen Jahr feierte die Wi-Fi Alliance mit ihrer #20Yearsofwifi-Kampagne den 20. Geburtstag der IEEE 802.11er Standards und hat gezeigt: Auch mit 20 Jahren „auf dem Buckel“ ist WLAN keineswegs in die Jahre gekommen. Ganz im Gegenteil. Mit Wi-Fi 6 stößt die Drahtlostechnologie wieder einmal in neue Leistungssphären vor. Stichwörter: MIMO, OFDMA, QAM und BSS Coloring – um nur die wichtigsten Neuerungen hinter den Kulissen zu nennen. Aber genug der technischen Details. Dafür empfehle ich unseren englischsprachigen Technikblog LANCOMWIRE, in dem es eine mehrteilige Serie über die Mechanismen von Wi-Fi 6 gibt.

Klar ist: Wi-Fi 6 bringt viele Vorteile mit. Unter anderem kann eine deutlich größere Zahl an Nutzern parallel mit schnellem Internet versorgt werden, gleichzeitig ist die Übertragung deutlich robuster. Davon profitieren also längst nicht nur die vielfach angepriesenen „High-Density-Netze“, wie man sie etwa in Stadien und Einkaufszentren, aber auch in Schulen und Universitäten findet. Von Wi-Fi 6 profitieren schlichtweg alle lokalen Drahtlosanwendungen, die auf hohe Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit setzen.

Da ist es kein Wunder, dass sich viele Hersteller bereits 2019 mit ihren Wi-Fi 6-Ankündigungen geradezu überboten. Fakt ist aber auch, dass zumindest hier in Europa kaum einer lieferfähig war.

Das ändert sich nun rasant, zumindest die ersten WiFi 6 Access Points von LANCOM sind Anfang Februar an die Distribution geliefert worden und dürften bald im Fachhandel erhältlich sein. Bis Ende des Jahres werden wir dann noch eine ganze Reihe weiterer Modelle für die Nutzung innerhalb von Gebäuden und auch draußen auf den Markt bringen.

5G: Die nächste Generation Mobilfunknetz

Einen vergleichbaren Leistungssprung, den Wi-Fi 6 für die lokale, drahtlose Vernetzung bringt, liefert 5G für den Mobilfunk. Der neuste Mobilfunkstandard wartet mit Multi-Gigabit-Datenraten und deutlich reduzierten Latenzzeiten auf. Das ermöglicht viele neue Anwendungen in Bereichen wie Connected Driving, Industrial IoT, Smart City oder Smart Farming, die eine gänzlich mobile Vernetzung in Quasi-Echtzeit erfordern.

Ebenfalls interessant ist 5G für die breitbandige Internet-Anbindung von Standorten in der Peripherie – beispielsweise die Filiale auf der grünen Wiese – oder als leistungsfähige Backup-Verbindung ins Internet. Davon profitieren alle Unternehmen, die aufgrund der zentralen Rolle digitaler Prozesse ein Höchstmaß an Ausfallsicherheit benötigen.

Schön illustrieren lässt sich der Nutzen von 5G auch anhand von temporären Lokationen. Baustellen, Pop-Up-Stores, Festival-Gelände, Großveranstaltungen: Sie alle können mit Hilfe von 5G mit noch nie gekannter Bandbreite ans Mobilfunknetz – und damit ans Internet – angebunden werden.

Allerdings wird ein flächendeckender 5G-Ausbau noch Jahre dauern, auch wenn die Auflagen für die 5G-Betreiber klar definiert sind. Bis Ende 2022 müssen sie jeweils 98 Prozent der Haushalte mit 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) versorgen. Der Blick auf den Status-Quo zeigt, dass das sehr ambitioniert ist. Derzeit gibt es in Deutschland nämlich nur wenige 5G-Netze in ausgewählten Großstädten – und selbst das 4G (LTE)-Netz hat bis heute viele weißen Flecken.

5G: Im Campusnetz ein Exot

Deutlich schneller als das öffentliche 5G-Netz könnten die ersten Campusnetze auf 5G-Basis entstehen. Das Antragsverfahren für lokale 5G-Campusnetze ist im November 2019 gestartet, darüber können Unternehmen exklusive Nutzungsrechte für die Frequenzen zwischen 3.700 und 3.800 MHz erwerben. Der Charme: eine sehr hohe Stabilität – schließlich kann niemand „stören“ –, zudem darf mit einer recht hohen Sendeleistung gearbeitet werden. Vor allem in kritischen Applikationen kann das ein entscheidendes Kriterium sein.

Allerdings ist eine 5G-Campusinstallation ist extrem komplex und teuer. Allein die nötigen Infrastrukturinvestitionen übersteigen die eines WLAN um ein Vielfaches. Hinzu kommt ein hohes Maß an Komplexität, das ein eigenständiges Management – wenn überhaupt – nur für sehr große Unternehmen realistisch erscheinen lässt. Im Vorfeld müssen zudem die 5G-Lizenzen für die lokale Nutzung beantragt werden, für die dann auch noch laufende Gebühren und damit hohe Betriebskosten entstehen.

Damit wird der Markt für 5G-Campusnetze sehr überschaubar. Es sind vor allem führende Industriekonzerne, die von einem solchen Netz profitieren. In allen anderen Bereichen – zur Vernetzung von Firmen, Schulen, Universitäten, im Handel und in der Logistik und ganz vorne natürlich in der Hotellerie – wird WLAN als robuste, leistungsfähige und vor allem kostengünstige Technologie auch langfristig die Campuslösung Nr. 1 bleiben.

UMTS/3G: Abschied von einem alten Wegbegleiter

Die Erneuerung des Mobilfunknetzes fordert jedoch auch Opfer: Verabschieden müssen wir uns in diesem Jahr von UMTS. Nach fast 15 Jahren werden die Netzbetreiber 3G abschalten, um die Frequenzen stattdessen für 5G zu nutzen.

Was im Sinne einer effizienten Frequenznutzung definitiv Sinn macht, kommt jedoch mit „Nebenwirkungen“ daher. Auch heute noch sind in vielen Geräten – übrigens bis hin zu noch recht neuen Autos (Baujahr 2017) – Modems verbaut, die als schnellsten Mobilfunkstandard UMTS unterstützen. Die Konsequenz: Statt UMTS gibt es für diese Geräte bald nur noch EDGE. Und dass das einem nicht vorhandenen Netz gleichkommt, muss man heute niemandem mehr erklären.

6 GHz: Vorbote einer rosigen (WLAN-)Zukunft

Es gibt also viel Bewegung an der Luftschnittstelle. Doch das soll noch nicht das Ende sein. Vor allem beim WLAN bleibt es spannend. Vermutlich 2021 – im Idealfall sogar schon gegen Ende dieses Jahres – wird erstmals seit 2014 neues WLAN-Spektrum in Europa zur Verfügung stehen. Dann soll nämlich ein Teil des 6 GHz-Bands für die lizenzfreie Nutzung freigegeben werden und immenses Innovationspotential eröffnen.

Einen Blick in die ganz nahe Zukunft gewähren wir übrigens schon in gut zwei Wochen auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Mit einer Preview auf unsere 5G-Router-Familie zeigen wir, wie der Mobilfunk der nächsten Generation in Kombination mit einer weiteren topaktuellen Technologie – dem Software-defined Networking – völlig neue Möglichkeiten für die sichere und agile VPN-Anbindung von Standorten und smarten Ressourcen schafft.

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