Wi-Fi 6E & Co.: Das bringt das WLAN-Jahr 2021

Veröffentlicht am: 3. Februar 2021 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Unternehmen Keine Kommentare

Die USA haben vorgemacht, wie es geht – und wir Europäer folgen mit großen Schritten nach. Bereits im Mai dürfte es soweit sein, dass wir mit unserem WLAN in ganz neue Gefilde vorstoßen. Mit der Öffnung eines großen, neuen Frequenzblocks im 6 GHz-Band verdoppelt sich das lizenzfreie WLAN-Spektrum quasi über Nacht. Mit Wi-Fi 6E – so der kommerzielle Name der Wi-Fi Alliance für das 6 GHz-WLAN – werden beeindruckende Tempogewinne, ungekannte Stabilität und echtzeitfähige Latenzen Realität. Was das WLAN-Jahr sonst noch so bringt. Ein Ausblick.

Wi-Fi 6 auf dem Vormarsch

Starten wir mit einem kleinen Blick zurück. Gerade mal ein knappes Jahr ist es her, dass der Generationswechsel von Wi-Fi 5 auf Wi-Fi 6 eingeleitet wurde. Dauerte es früher oft viele Jahre bis sich ein neuer Standard so richtig im Markt durchsetzen konnte, legte Wi-Fi 6 ab der zweiten Jahreshälfte ungekanntes Tempo vor. Laut den Analysten von IDC sorgte Wi-Fi 6 für 39,9 Prozent der Umsätze im Markt für Unternehmens-WLANs – hierzulande sicherlich auch befeuert durch den DigitalPakt Schule, wo sich Wi-Fi 6 mit seinen „High Density“-Fähigkeiten als die ideale Technologie für die gleichzeitige breitbandige Versorgung vieler WLAN-Endgeräte – Smartphones, Tablets, Laptops – fest etabliert hat.

Für 2021 erwarten wir, dass dieser Trend ungebrochen anhält. Zumal die Schuldigitalisierung auch mehr als ein Jahr nach Inkrafttreten des Digitalpakts vielerorts nach wie vor in den Kinderschuhen steckt und weitere Digitalisierungsinitiativen wie das Krankenhauszukunftsgesetz für zusätzliche Nachfrage nach Wi-Fi 6-Infrastrukturen sorgen dürften. Eine Hochrechnung der Wi-Fi Alliance bestätigt diese Annahme: Bis Ende 2021 sollen fast zwei Milliarden Wi-Fi 6-Geräte ausgeliefert werden.

WPA2 hat endgültig ausgedient

Erinnern Sie sich noch an KRACK? Im Oktober 2017 sorgte die Sicherheitslücke im bis dato modernsten WLAN-Verschlüsselungsstandard WPA2 für massive Verunsicherung. Seither ist viel passiert: Mit WPA3 wurde recht rasch ein neuer, viel effektiverer Verschlüsselungsmechanismus entwickelt und peu à peu von der WLAN-Industrie implementiert. Seit Juli letzten Jahres ist WPA3 sogar Pflicht – zumindest für all diejenigen, die das „Wi-Fi certified Label“ der Wi-Fi Alliance erhalten wollen.

Dennoch finden wir auch heute noch, fast drei Jahre nach KRACK, Installationen mit WPA2. Und selbst das eine oder andere Neugerät kommt noch auf den Markt, das technisch längst nicht auf dem neuesten Stand angekommen ist. Nach Meinung der Wi-Fi Alliance soll damit jedoch bald Schluss sein. Die Experten des Verbands rechnen damit, dass sich WPA3 in diesem Jahr deutlich stärker durchsetzen wird. Höchste Zeit, dass WPA2 endgültig ausgedient hat.

Management: zwei Wege führen zum Ziel

Etwas unklarer zeigt sich das Bild bei der Frage nach dem WLAN-Management. Während Analysten schon lange den Siegeszug von „Cloud-managed WLANs“ vorausgesagt und das Ende der Controller-Ära beschrieben haben, ist der Markt noch unentschlossen.

Unbestritten ist, dass „Cloud-managed WLANs“ schon heute bei Einrichtung und Betrieb technisch die Nase vorn haben. Nur über einen solchen Ansatz lassen sich ein hoher Automatisierungsgrad, „Zero-Touch-Deployment“ und beispielsweise moderne Anomalie- und Selbstheilungsmechanismen umsetzen. Dennoch gibt es eine ebenso große Fangemeinde, die auf den klassischen Controller-basierten Ansatz setzt.

Dieses Bild zieht sich übrigens auch durch die Schuldigitalisierung durch. Hier halten sich WLAN Controller und die Cloud als zentrale Management-Instanz derzeit so ziemlich genau die Waage. Wann dies kippt, ist schwer vorauszusagen.

Für LANCOM heißt das, dass wir absehbar an unserer dualen Management-Strategie festhalten: Auch weiterhin können die LANCOM WLAN Access Points wahlweise über WLAN Controller oder über unsere LANCOM Management Cloud verwaltet werden. So kann jeder Kunde selbst entscheiden, welchen Weg er wählt – und wann ggf. der richtige Zeitpunkt für einen Umstieg auf die Cloud gekommen ist.

Mehr als nur Netz

Interessant war übrigens, was dieser Tage in der Süddeutschen Zeitung zu lesen war. Unter der Headline „Öffentliches WLAN: Mehr als nur Netz“ räumt der Tech-Journalist Helmut Martin-Jung mit einem Vorurteil auf, das in schöner Regelmäßigkeit den Weg in die Medien schafft: mit der Behauptung nämlich, dass das WLAN angesichts der zunehmenden Abdeckung mit schnellem Mobilfunk und 5G zumindest als öffentlicher Zugang längst ausgedient habe.

Diese Einschätzung deckt sich mit dem, was wir sonst noch so im Markt – und übrigens auch in der Politik! – beobachten. Denn die (auch von anderer Seite sehr begehrten) 500 MHz Spektrum im 6 GHz-Band „spendieren“ die Regulierer ja gerade deshalb, weil sie die immense Bedeutung von WLAN für Wirtschaft, Digitalisierung und die sogenannte „Gigabit-Gesellschaft“ erkannt haben. Und auch die Industrie glaubt fest an ein langfristiges Miteinander von Mobilfunk und WLAN. Schließlich haben Initiativen wie „Passpoint“ und „Open Roaming“ zum Ziel, die abwechselnde Nutzung beider Technologien einfacher und sicherer auszugestalten.

Auch hier wird sich in 2021 einiges tun.

Verwandte Posts

Kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.