VDSL2-Vectoring: Grünes Licht für die Telekom

kvz_blogEinen „Super Tag für Deutschland“ nannte der Sprecher der Telekom-Geschäftsführung den 1. September 2016. Der Grund für den euphorischen Ausbruch: Die Bundesnetzagentur (BNetzA) gab an diesem Tag offiziell ihre Entscheidung bekannt, dass die Telekom die Vectoring-Technik auch im Nahbereich ihres Netzes einführen darf. Nach einem zähen Hin und Her mit der EU-Kommission und den Wettbewerbern steht dem Vectoring-Ausbau also nichts mehr im Wege. Die Entscheidung der BNetzA ist richtig und gut. Sie ist ein positives Signal für den Breitbandausbau in Deutschland. Außerdem ist das “Go” für den Vectoring-Ausbau an klare Vorgaben für einen fairen Wettbewerb geknüpft:

Erstens bleibt den Wettbewerbern der Telekom der Zugriff auf die ungebündelten Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) erhalten. Der Zugang zur letzten Meile soll zukünftig über ein lokales virtuell entbündeltes Zugangsprodukt (VULA) angeboten werden. Ein entsprechendes Produkt existiert allerdings noch nicht, weshalb die BNetzA eine „unverzügliche“ Realisierung einfordert. Zweitens kann die Telekom ihren Wettbewerbern nicht grundsätzlich den Zugang zur letzten Meile in den Nahbereichen verweigern. Engagiert sich der Wettbewerber in dem entsprechenden Gebiet bei der DSL-Erschließung von Kabelverzweigern bisher stärker als die Telekom selbst, kann er den Nahbereich selbst mit VDSL2-Vectoring erschließen.

Wettbewerber und Glasfaseranbieter unzufrieden

Die Wettbewerber der Telekom sind trotz der Bedingungen nicht zufrieden. So ist zum Beispiel offen, wie nachgewiesen werden kann, ob ein Wettbewerber sich bei der DSL-Erschließung von Kabelverzweigern in einem Gebiet mehr engagiert hat als die Telekom. Dokumentiert wurde dies bisher nämlich offenbar nicht.

Auch sehen die Glasfaseranbieter mit der Entscheidung den schnellen Breitbandausbau in Deutschland gefährdet. Denn die Kosten für den Glasfaserausbau sind sehr hoch. Werden diese dann auf die Nutzer umgeschlagen, werden die Anschlüsse sehr teuer und können nicht mit günstigeren Alternativen wie Vectoring mithalten. Liegt wegen der hohen Kosten und günstigen Alternativen wiederum keine ausreichende Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen vor, können die Glasfaseranbieter ihre Ausbaukosten nicht decken. Vor allem im Privatkundengeschäft dürfte dies der Fall sein.

Zwar hat auch die Bundesregierung diesen Punkt erkannt und will mit einem neuen Gesetz Abhilfe schaffen und die Ausbaukosten erheblich senken. Ob es hilft, wissen wir aber erst, wenn das Gesetz verabschiedet wurde und ein paar Monate ins Land gegangen sind.

Technologiemix als Schlüssel

Zudem zeigt ein Blick ins Ausland, dass auch eine Entscheidung gegen Vectoring und für den Glasfaserausbau nicht zwingend zum Erfolg führt. Das Beispiel Großbritannien veranschaulicht dies sehr deutlich. In der Vergangenheit wurde dort beim Breitbandausbau besonders stark auf Glasfaser gesetzt. Angetrieben durch private Investoren und die Kommunen sollte so der Weg in die Gigabit-Gesellschaft geebnet werden. Geklappt hat dies, trotz aller Willensbekundungen, jedoch offenbar nur mäßig. Im Ergebnis steht Großbritannien zum Beispiel im jährlichen FTTH(Fiber to the home)-Europa-Ranking der Branchenorganisation FTTH Council nämlich noch schlechter da als wir, die wir „immerhin“ den vorletzten Platz belegen. Die Briten hingegen haben es nicht einmal auf die Liste geschafft.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. VDSL2-Vectoring ist sicher keine langfristige Lösung. Dazu sind die Technologie und ihre Nachfolgestandards wie Super Vectoring und G.fast zu sehr limitiert. Hier muss natürlich auf Glasfaser gesetzt werden. Als Brückentechnologie hat es aber sehr wohl seine Daseinsberechtigung.

Bleibt also zu hoffen, dass sich die Wogen zwischen Telekom, Wettbewerbern und Glasfaseranbietern in den nächsten Wochen wieder glätten. Alle Beteiligten sollten sich auf das Wesentliche konzentrieren: den Breitbandausbau in unserem Land vorantreiben, um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen in einer sich mehr und mehr digitalisierenden Welt zu sichern.

Bis 2018 soll jeder in Deutschland die Möglichkeit haben, über einen Internetanschluss mit mehr als 50 Mbit/s ins Netz zu gehen. VDSL2-Vectoring und Glasfaser sind zwei Wege, die uns diesem Ziel näherbringen. Dabei muss die eine Technik die andere nicht ausschließen – ein Miteinander würde uns kurz- und mittelfristig am meisten helfen.

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