Umfrage zur All-IP-Migration: Mehr als 90 Prozent zufrieden

All-IP-Router mit Telefon im HintergrundGehen wir einmal zurück in das Jahr 2014: der Bund diskutiert über die Einführung einer PKW-Maut, Deutschland wird in Brasilien Fußball-Weltmeister – und die Deutsche Telekom startet mit der Umstellung analoger und ISDN-Telefonanschlüsse auf All-IP.

Ganz genau, bereits seit 2014 läuft beim Bonner Konzern das laut eigener Aussage „größte Projekt der Unternehmensgeschichte“. Damals löste die Ankündigung der Telekom, bis 2018 die Telefonie auf ein rein IP-basiertes Netz umzustellen, viele Unsicherheiten und Ängste bei Privatnutzern und Unternehmen aus. Knapp drei Jahre später wollten wir wissen, ob die Bedenken begründet waren.

Erfahrungen und Strategien: Rund 500 Unternehmen resümieren

Im Juli und August 2017 haben wir rund 500 Unternehmen nach ihren Erfahrungen mit IP-basierten Anschlüssen und ihren Strategien beim Wechsel auf All-IP befragt. Eines vorweg: Die Ergebnisse der Umfrage sind durchaus überraschend!

Die wichtigste Erkenntnis: von den rund 63 Prozent der bereits migrierten Unternehmen ist die überwiegende Mehrzahl (90 Prozent) mit der Umstellung insgesamt zufrieden.

Diese hohe Zufriedenheit dürfte den einen oder anderen durchaus überraschen. Schließlich hatte es gleich zu Beginn der Migration bei der Umstellung der ersten Privatkundenanschlüsse teils heftig geknirscht. Auch heute noch kursieren im Web nicht wenige Schreckensszenarien über den Umstieg auf All-IP. Dass es bei der Umstellung der Geschäftskundenanschlüsse deutlich besser läuft, dürfte am Ablaufplan liegen. Sie begann deutlich später, so dass hier sicher die Erfahrungen aus der Frühphase eingeflossen sind, die Abläufe eingespielt und einige „Kinderkrankheiten“ bereits behoben waren. Tatsächlich hatten nur neun Prozent der Befragten mit größeren Problemen bei der Migration zu kämpfen.

Infografik zu den Umfrageergebnissen der All-IP-MigrationDie bei weitem häufigsten Probleme stellten temporäre Verbindungsausfälle dar, die 36 Prozent der Umfrageteilnehmer beklagten. Fax-Komplikationen wiederum traten bei rund jedem vierten Befragten auf. Hier darf vermutet werden, dass dies zumindest in Teilen am vom Provider nicht unterstützten IP-basierten Faxprotokoll T.38 lag. In diesen Fällen muss weiter mit dem alten analogen Fax-Protokoll T.30, verpackt im digitalen Codec G.711, gearbeitet werden. Eine solche Umwandlung ist aufgrund der Paketierung der VoIP-Daten und den damit verbundenen Übertragungsverzögerungen nicht immer unkritisch. Da viele analoge Faxe auch auf kleine Unregelmäßigkeiten mit einem Verbindungsabbruch reagieren, erklärt dies wiederum die Probleme bei analogen Faxgeräten.

Investitionen schützen

Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf eine erfolgreiche Umstellung hatte sicherlich auch die richtige Strategie und Planung der Verantwortlichen in den Unternehmen. Ganz oben auf der Liste der verfolgten Migrationsstrategien steht der Investitionsschutz.

Weit mehr als die Hälfte (59 Prozent) der bereits umgestellten Unternehmen nutzt ihre vorhandene ISDN-TK-Anlage auch am neuen Anschluss weiter und erspart sich so die Anschaffung einer gänzlich neuen Telefonie-Infrastruktur nebst Telefonen.

Technisch ist das ganz einfach: zwischen die „alte“ TK-Anlage und den IP-basierten Anschluss wird einfach ein Router geschaltet, der fortan als ISDN-All-IP-Gateway fungiert und die Signale übersetzt. Der Großteil der Befragten tauschte hierzu den bestehenden Router gegen einen All-IP-Router aus (78 Prozent). Der weitaus geringere Teil machte von der Möglichkeit Gebrauch, den vorhandenen Router aufzurüsten (22 Prozent). Rund 36 Prozent haben im Zuge der Migration auf eine IP-TK-Anlage umgestellt und ihre alte Telefonanlage entsorgt.

Überrascht war ich hingegen davon, dass nur rund 4 Prozent der Befragten die Umstellung nutzten, um auf Telefonie aus der Cloud umzusteigen. Den Anteil hätte ich durchaus höher eingeschätzt.

Mut zur All-IP-Migration zeigen

Eine weitere interessante Erkenntnis: 26 Prozent der Unternehmen, denen die Umstellung noch bevorsteht, hat Sorge, dass die Sicherheit leidet. Hier hatten wir mit noch größeren Bedenken gerechnet. Die Kunden haben aber durchaus recht: in der Regel werden die Sprachdaten inzwischen verschlüsselt übertragen. All-IP bietet sogar eine erheblich höhere Sicherheit als die frühere ISDN-Übertragung, die einfach abhörbar war. Moderne All-IP-Router weisen darüber hinaus weitere Sicherheitsfunktionen auf: zum Beispiel werden ankommende Sprachverbindungen nur noch von bestimmten öffentlichen All-IP-Vermittlungsrechnern akzeptiert. Sogenannte Session Border Controller (SBC) können den internen Sprachdatenverkehr eines Kundennetzes komplett von den öffentlichen Verbindungen trennen. Damit bietet der SBC einen perfekten Schutz vor allen weiteren Versuchen, über Sprachverbindungen netzinterne Geräte wie Telefone oder Videosysteme anzugreifen. Übrigens ist der Session Border Controller (SBC) bei unseren VoIP-Routern bereits integriert. Wer zum Thema SBC mehr wissen möchte, dem empfehle ich die Lektüre unseres Whitepapers.

Natürlich haben wir in unserer Umfrage noch viele weitere Themen abgefragt, zum Beispiel zum Fortschritt der Migration und den Vorteilen der Umstellung. Wer die vollständigen Ergebnisse der Studie einsehen möchte, findet diese auf unserer Webseite.

Im Großen und Ganzen können wir sagen, dass die Migration bei einem Großteil der Unternehmen recht reibungslos verläuft. Der Schlüssel zum Erfolg dürfte in einer guten Planung und konsequenten Umsetzung der eigenen Migrationsstrategie liegen.

Es muss also heißen: Mut zur All-IP-Migration zeigen und frühzeitig planen, denn die richtige Strategie ist oft schon die sprichwörtliche halbe Miete.

 

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