Trotz Gesetz: Endgerätefreiheit ist kein Selbstläufer

Endgeraetefreiheit_Routerzwang_Schnittstellenbeschreibung_BlogWas waren wir erleichtert, als im Januar endlich das Gesetz zur Endgerätefreiheit im Bundesgesetzblatt veröffentlich wurde. Endlich hieß es: die freie Routerwahl für alle kommt! Egal ob Privatnutzer oder Geschäftskunde und völlig unabhängig davon, ob es sich um einen DSL-, Kabel- oder Glasfaseranschluss handelt.

Eine sechsmonatige Übergangsfrist sollte den Netzbetreibern die Möglichkeit geben, die notwendigen Vorkehrungen zu treffen und ihre Netze fit zu machen für die Geräte Dritter. Diese Frist sollte vor allem den Kabelnetzbetreibern entgegen kommen, die sich bis zuletzt vehement gegen das Gesetz gewehrt hatten.

Doch nicht alle Provider scheinen ihre Hausaufgaben gemacht zu haben – und so erscheint eine echte Endgerätefreiheit an allen Anschlüssen ab 1. August heute noch illusorisch.

Denn für eine echte Endgerätefreiheit braucht es vor allem eines: Produktvielfalt. Endgerätehersteller können jedoch nur Produkte für Netze entwickeln, deren Schnittstellenspezifikationen entsprechend detailliert offengelegt sind. Nur so ist gewährleistet, dass unsere Produkte – Router, TK- und Gefahrenmeldeanlagen etc. – einwandfrei in den Netzen funktionieren und alle Dienste abbilden können. Und genau hier liegt das Problem.

Die Crux mit der Schnittstellenbeschreibung

Obwohl seit vielen Jahren gesetzlich durch das FTEG (Gesetz über Funkanlagen und. Telekommunikationsendeinrichtungen) verpflichtet, kommen nur wenige Provider ihrer Pflicht zur Schnittstellenveröffentlichung wirklich umfassend nach. Speziell im Kabelnetzbereich – der ja in ganz besonderer Weise von der neuen Endgerätefreiheit profitieren würde – herrscht hier vor allem eines: ein vollständiges Informationsvakuum.

Auch die Bundesnetzagentur hat dieses Problem erkannt und zieht vor dem Hintergrund des neuen Gesetzes zur TK-Endgerätefreiheit nun die Zügel an. So hat der Ausschuss technische Regulierung in der Telekommunikation (ATRT), der die Bundesnetzagentur berät, den Auftrag erhalten, „Empfehlungen zur Umsetzung der Veröffentlichungspflichten gemäß § 5 FTEG für Schnittstellenbeschreibungen der Betreiber öffentlicher Telekommunikationsnetze zum Anschluss von TK-Endgeräten unter besonderer Berücksichtigung von Netzabschlüssen im NGN (z. B. xDSL, DOCSIS, FTTx, Mobilfunk)“ zu erarbeiten. Die hierzu eingesetzte Projektgruppe, die sich aus Vertretern der Netzbetreiber und TK-Endgerätehersteller zusammensetzt, soll einen Praxisleitfaden zur Schnittstellenbeschreibung erarbeiten, an dem sich die Netzbetreiber dann orientieren und der die Bedürfnisse der Hersteller berücksichtigt.

Ein Projekt, das wir sehr begrüßen und an dem auch LANCOM Systems sich aktiv beteiligt. Der Praxisleitfaden soll Details über die Struktur, die Inhalte, den Detaillierungsgrad, die Aktualisierungsanforderungen sowie die Angaben der Fundstellen und die Art der Veröffentlichung der Schnittstellenbeschreibungen enthalten. Auf Basis dieser Informationen können dann wir – aber auch alle anderen TK-Endgerätehersteller – die Produkte entwickeln, die den freien Endgerätemarkt beflügeln sollen.

Wie so eine Schnittstellenbeschreibung praktisch aussehen könnte, zeigt übrigens die Deutsche Telekom auf Ihrer Webseite in vorbildlicher Weise. Sie veröffentlicht schon seit Jahren eine umfängliche Übersicht an Schnittstellenbeschreibungen für Hersteller. Es wäre wünschenswert, dass sich andere Netzbetreiber daran ein Beispiel nehmen.

Echte Endgerätefreiheit lässt weiter auf sich warten

Ein Wermutstropfen allerdings bleibt: Die Projektgruppe hat ihre Arbeit im Mai aufgenommen – also nur knapp drei Monate vor dem offiziellen Inkrafttreten der gesetzlich beschlossenen Endgerätefreiheit. Bis die Empfehlungen vorliegen sollen, hat die Projektgruppe jedoch 12 Monate Zeit. Erst danach geht es für die Netzbetreiber an die Umsetzung, die dann bestimmt auch noch einige Wochen bis Monate in Anspruch nimmt.

Für uns heißt das nicht weniger, als dass sich die Endgerätewahlfreiheit zumindest in einigen Bereichen weiter verzögert. Trotz eindeutiger gesetzlicher Lage.

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3 Kommentare zu “Trotz Gesetz: Endgerätefreiheit ist kein Selbstläufer
  1. Peter Wittmann sagt:

    Hat Lancom ein echtes Interesse wieder in den Markt fuer Kabelmodems einzusteigen? Ein Nachfolger vom Elsa MicroLink Cable waehre schon schick und vielleicht sogar eine serioese Alternative zu Produkten die aus Berlin kommen 😉

    • Andre Fassbender sagt:

      Lieber Herr Wittmann,

      vielen Dank für Ihren Beitrag.
      LANCOM beobachtet derzeit die Marktentwicklung. Konkrete Pläne zur Entwicklung von Routern mit integriertem Kabelmodem gibt es noch nicht.

      Mit freundlichen Grüßen,
      André Faßbender
      Referent Corporate Communications
      LANCOM Social Media Team

    • Wolfgang Jäger sagt:

      Guten Tag,

      Die „Fritz!Box für Erwachsene“ gibt e ja quasi schon als Lancom 88x bzw. 178x Baureihe. Diese muss man dann notfalls hinter dem Kabelrouter betreiben.

      Aber bei den Kabelprovidern hat man ja noch ganz andere Probleme, wenn man z.B. eine VPN-Verbindung aufbauen möchte oder DDNS-Dienste nutzen will: das CGN. Viele Kabel-Nutzer erhalten nur eine private IP aus dem internen Adress-Pool des Providers, was eine Einwahl in das heimische Netz verhindert.

      Ich vermute mal, dass die Entwicklung der FTTx – Anschlüsse ebenso abgewartet wird. Und wenn dann der SFP-Port vom 1781EF+ noch `rüberwandert zur 1783er Baureihe, dann hätte man einen echten Universalrouter und kann auf den Medienkonverter verzichten – WENN die Provider da mitspielen.

      War es früher wirklich besser: ELSA QuickStep 3000 in den PC gesteckt, Treiber installiert, angeschlossen, fertig ? Lief auch an Telefonanlagen.

      Gruß
      Wolfgang

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