Routerzwang adé: Heute tritt die Endgerätewahlfreiheit in Kraft

Veröffentlicht am: 1. August 2016 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Technologie 1 Kommentar

router_routerzwang_Endgeraetefreiheit_Endgeraetewahlfreiheit_blogHeute ist es soweit: das „Gesetz zur Auswahl und zum Anschluss von Telekommunikationsendgeräten“ tritt in Kraft. Nach einer sechsmonatigen Übergangsfrist für die Provider sind alle Internetnutzer vom Routerzwang befreit. In vielen Fällen funktioniert die freie Routerwahl schon erstaunlich gut, vor allem in den klassischen DSL-Netzen. Für Millionen von Kabel- und Glasfaserkunden dürfte der heutige Tag jedoch von besonderer Bedeutung sein.

DSL und Glasfaser sind bereit für Endgerätefreiheit

Bei den DSL-Anschlüssen geben die meisten Provider die Zugangsdaten schon heute unaufgefordert an ihre Kunden heraus. Und auch in der Vergangenheit hatten nur wenige DSL-Anbieter ihren Kunden die Endgerätewahlfreiheit verwehrt. Bei Glasfaser – früher weitgehend ein Fall für den Routerzwang – sieht es heute ähnlich gut aus. Auch wenn in wenigen Fällen Kunden in den letzten Monaten noch die Zugangsdaten aktiv bei ihren Anbietern erfragen mussten. Ab sofort soll aber auch damit Schluss sein: jetzt müssen die Provider die Zugangsdaten unaufgefordert herausgeben.

Geräte für DSL- und Glasfaser sind im Markt sowohl für Privatnutzer als auch Geschäftskunden in einer großen Vielfalt vorhanden. Neben ADSL- und VDSL-Routern bieten auch wir schon viele Jahre Router mit Glasfaseranschluss an, konnten diese bislang aber nur bedingt frei vermarkten. Mit der neuen rechtlichen Situation ändert sich dies grundlegend, besonders gewerbliche Endkunden – und damit auch der ITK-Fachhandel – werden davon profitieren und für ihre Netze nun die Geräte ihrer Wahl einsetzen können. So sieht echte Wahlfreiheit aus.

Kabelkunden brauchen Geduld

Während die Provider im Bereich der DSL- und Glasfasernetze für die Endgerätewahlfreiheit gut gerüstet sind und dem Kunden eine Vielzahl an möglichen Modellen zur Wahl steht, tun sich die Kabelnetzbetreiber offenbar nach wie vor schwer mit der neuen Situation. Hier mangelt es immer noch an ganz elementaren Grundvoraussetzungen für eine echte Endgerätewahlfreiheit.

Zwar machen sich auch hier die Provider Gedanken darüber, wie sie ihren Kunden die benötigten Zugangsdaten zur Verfügung stellen können. Im Zusammenspiel mit den Endgeräteherstellern gibt es jedoch noch großen Handlungsbedarf.

Festmachen lässt sich dies an der Problematik der Schnittstellenbeschreibung, die trotz neuer Rechtslage immer noch ungelöst ist (siehe auch Blog-Beitrag „Trotz Gesetz: Endgerätefreiheit ist kein Selbstläufer“ vom 17. Juni 2016). Wir Routerhersteller benötigen diese Beschreibung, um Geräte für die Netze der Provider zu entwickeln. Das heißt: ohne Schnittstellenbeschreibung keine Alternativgeräte, ohne Alternativgeräte keine freie Endgerätewahl.

Rechtlich ist die Situation eindeutig: die Pflicht zur Offenlegung der Schnittstellenbeschreibung besteht schon seit Jahren im Gesetz über Funkanlagen und Telekommunikationsendeinrichtungen, kurz FTEG. Mit der jetzt in Kraft getretenen Wahlfreiheit für Endgeräte erlangt sie jedoch eine ganz neue Bedeutung. Denn was nutzen dem Kunden die Zugangsdaten des Anbieters und die freie Endgerätewahl, wenn er für seinen Anschlusstyp keine alternativen Router auf dem Markt findet?

Abhilfe schaffen soll jetzt eine Projektgruppe, bestehend aus Vertretern der Netzbetreiber und TK-Endgerätehersteller, die im Juni ihre Arbeit aufnahm. Ihr Ziel: einen Praxisleitfaden zur Schnittstellenbeschreibung zu erarbeiten und damit sicherstellen, dass die Endgerätehersteller die nötigen Information für die Geräteentwicklung erhalten – auch und gerade von den Kabelnetzprovidern. Mit Ergebnissen wird im Sommer 2017 gerechnet, erst dann kann die Arbeit der Endgerätehersteller so richtig beginnen.

Für Kabelkunden wird es also noch eine Weile dauern, bis echte Alternativangebote am Markt verfügbar sein werden. Die einzige Ausnahme bilden die Router von Herstellern, die Lieferverträge mit den Kabelnetzprovidern haben. Sie verfügen über die nötigen Informationen und haben bereits begonnen, Alternativgeräte mit größerem Funktionsumfang in den Markt zu bringen. Ein erster, richtiger Schritt!

Deutsche Endgerätewahlfreiheit als Vorbild für Europa

Dass die Endgerätefreiheit ein elementares Recht der Internet-Nutzer ist, sieht mittlerweile übrigens auch die Europäische Kommission. So trat Ende April eine neue EU-Verordnung in Kraft, die unter anderem die Rechte von Nutzern gegenüber den Internet-Providern regelt. Wörtlich heißt es darin: „Endnutzer haben das Recht, […] Endgeräte ihrer Wahl zu nutzen.“ (Verordnung (2015/2120, Artikel 3, Absatz 1)

Leitlinien, wie diese Verordnung durch die nationalen Regulierer umgesetzt werden soll, erarbeitet derzeit die BEREC (Body of European Regulators for Electronic Communication)*. Und auch diese geben Anlass zur Hoffnung, dass es zukünftig auch EU-weit heißen könnte: Routerzwang adé, freie Endgerätewahl für alle.

 

Update: Zwischenzeitlich haben einige Kabelnetzprovider mit Unterstützung ihres Verbands ANGA erste Schnittstellenspezifikationen veröffentlicht, so zum Beispiel unitymedia.

 

*Gremium der europäischen Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation und besteht aus Vertretern der jeweiligen nationalen Regulierungsbehörden aller EU-Staaten. BEREC arbeitet mit der EU-Kommission zusammen.

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  1. Hallo,

    leider gibt es den Routerzwang immer noch für Kunden, die einen „LTE-Hybrid“ Vertrag haben.
    Wer die besonderen Eigenheiten des ausschließlich dazu passenden „Speedport Hybrid“ kennt, weiß, wie sehr man sich wünscht, dass das von der Telekom eingesetzte Verfahren („Bonding“) den Routerherstellern bekannt gegeben wird.
    Schließlich hat Lancom mit dem 1781VA-4G ein Modell im Portfolio, dessen Hardware perfekt geeignet wäre.

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