Netzwerk-Trends 2018: Agilität, IEEE 802.11ax und vieles mehr

Mit großen Schritten geht es auf das neue Jahr zu. Viel Positives hat sich 2017 in der Netzwerkbranche getan. So tickerten beispielsweise die Medien Ende Juni eine erfreuliche Nachricht: Mit dem von der Regierung nachgebesserten Telemediengesetz wurde endgültig ein Schlussstrich unter die WLAN-Störerhaftung gezogen. Ein weiterer Erfolg: In einem gemeinsamen Kraftakt von Wirtschaft und Politik konnte ein drohender Verkaufsstopp für WLAN-fähige Produkte abgewandt werden. Doch die Netzwerkbranche ruht sich nicht aus. Was erwartet uns 2018? Welche Trends sollten Sie sich schon einmal vormerken?

Agilität ist Trumpf

„Agilität“ heißt das „Netzwerkwort des Jahres 2018“ – oder müsste es heißen, wenn es denn eines gäbe. Für das neue Jahr wird nämlich die Transformation von klassischen zu agilen Netzwerken einer der absoluten Top-Trends sein – vor allem für größere Unternehmen. Dabei geht es darum, alte Mauern einzureißen und unsere Netzwerke den Anforderungen einer modernen, digitalisierten Arbeitswelt und Gesellschaft anzupassen. Die Schlüssel zu agilen Netzen? Software-defined Networking, Netzwerkmanagement aus der Cloud und Virtualisierung. Sie ebnen uns den Weg zu den Netzwerken von morgen. Es geht um mehr Flexibilität, verbesserte Verfügbarkeit, mehr Leistung und Kostenersparnisse – und selbst die Sicherheit wird massiv profitieren. 2018 wird diesbezüglich einiges passieren. Wir dürfen gespannt sein.

IEEE 802.11ax: Zu früh gefreut?

Mit dem neuen WLAN-Standard IEEE 802.11ax, auch als High Efficiency Wireless (HEW) bekannt, sollen das Nutzererlebnis und die Effizienz der unlizenzierten Funkbänder (2,4 und 5 GHz) verbessert werden. Im besten Fall soll der neue Standard viermal schneller sein als IEEE 802.11ac. Klingt bis hierhin alles vielversprechend. Allerdings hat das Ganze einen Haken: die europäische Norm EN 301 893 in der aktuellen Fassung V2.1.1. Sie regelt den Funkbetrieb im 5 GHz-Frequenzband – gerade also jenes Bandes, das für 802.11ax von großer Bedeutung ist.

Die Norm beinhaltet eine Ausnahme für den Kanalzugriff mit IEEE 802.11: Die WLAN Standards IEEE 802.11a/n/ac dürfen für die Adaptivität die Mechanismen Preamble Detection und Energy Detection (PD/ED) nutzen und erreichen so eine bessere Leistung. Der neue 11ax-Standard wird hier derzeit nicht berücksichtigt. Folglich kann die in der EN geregelte Ausnahme nicht auf 11ax bezogen werden. Das Resultat: IEEE 802.11ax käme als „beschnittener“ Standard in die EU-Märkte, dessen Leistung im schlimmsten Fall sogar hinter der seines Vorgängers, dem 11ac-Standard, zurückbleiben würde, wie Experten befürchten. Ein neuer Standard, der weniger Leistung bringt? Klingt komisch, ist aber nach derzeitiger EU-Regelung leider traurige Realität. Hier muss von Seiten ETSI (European Telecommunications Standards Institute) und der EU dringend nachgebessert werden.

Super-Vectoring wird kommen

Deutschland ist hungrig. Nicht etwa nach Fisch, Fleisch oder Gemüse. Nein, es ist ein kaum stillbarer Breitbandhunger, der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eint und uns antreibt, den Breitbandausbau weiter zu forcieren. Das neue Jahr wird hier keine Ausnahme sein. Im Gegenteil. Die fortschreitende Digitale Transformation wird unseren Hunger weiterwachsen lassen. Um diesen Hunger zu stillen, will die Deutsche Telekom 2018 eine neue Technik einsetzen. Die Rede ist von Super-Vectoring, das der Bonner Konzern in der zweiten Jahreshälfte 2018 einführen will. Super-Vectoring soll Anbindungen mit bis zu 250 MBit/s ermöglichen und so den für den Breitbandausbau erforderlichen Technologiemix aus Glasfaser, LTE und 5G ergänzen. Der Charme der Technologie: sie arbeitet auf Basis der bestehenden Kupfernetze, lässt sich also vergleichsweise rasch ausrollen. Bei LANCOM arbeiten wir bereits mit Hochdruck an Lösungen für Super-Vectoring. Spätestens auf der CeBIT 2018 wird es dann konkret.

Eine alte Bekannte

2018 wird auch wieder eine alte Bekannte unter den Top-Trends der Netzwerkbranche zu finden sein: die All-IP-Migration. Viele werden nun denken, das Thema sei ein alter Hut, schließlich läuft die Umstellung bei der Telekom bereits seit 2014. Doch weit gefehlt. Unsere im September 2017 veröffentlichte Studie zur All-IP-Migration hat nämlich gezeigt, dass viele Unternehmen noch migrieren müssen (37 Prozent steht die Umstellung noch bevor). Gleichzeitig lief der Umstieg für den Großteil der Unternehmen nahezu problemlos (91 Prozent). Angst vor der All-IP-Umstellung muss also auch 2018 niemand haben – die richtige Strategie und Planung vorausgesetzt.

IT-Sicherheit: Relevanter, als viele denken

Das Thema IT-Sicherheit wird oft stiefmütterlich behandelt: Die Medien berichten zwar häufig und teils überspitzt, es passiert aber nur wenig auf der politischen Bühne oder in der Wirtschaft. 2018 soll sich das ändern. Mit dem European Cybersecurity Act will die EU-Kommission unter anderem einheitliche Zertifizierungsschemata für die EU-Märkte etablieren. Ein richtiger und guter erster Schritt.

Gleichzeitig wird in Deutschland und Europa offen über Maßnahmen zur Erhöhung der Cybersicherheit debattiert (z. B. IT-Sicherheits-Gütesiegel) sowie über Mindeststandards für die IT-Sicherheit internetfähiger Produkte diskutiert. Unterm Strich sind wir auf einem guten Weg. Es bleibt abzuwarten, ob 2018 endlich der Durchbruch beim Thema IT-Sicherheit in Europa und Deutschland gelingt. Wünschenswert wäre es allemal. Übrigens: Eine kürzlich veröffentlichte PAC-Studie zeigt, dass die IT-Sicherheit bei europäischen Unternehmen einen hohen Stellenwert einnimmt. Das Ergebnis der Studie steht im krassen Gegensatz zu dem, wie wir Deutschen unsere europäischen Nachbarn und ihre Haltung zur Cybersecurity normalerweise wahrnehmen. Wer hätte das gedacht.

Sie sehen: 2018 wird nicht weniger spannend als 2017. Die Digitale Transformation unserer Gesellschaft und Wirtschaft ist im vollen Gange und wir alle sind dabei, unseren Teil zu diesem besonderen Prozess beizutragen. Ich freue mich auf das neue Jahr und die anstehenden Herausforderungen.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich ein erholsames und friedliches Weihnachtsfest und einen guten Start in das neue Jahr!

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4 Kommentare zu “Netzwerk-Trends 2018: Agilität, IEEE 802.11ax und vieles mehr
  1. Wolfgang L. sagt:

    Gern hier zur Info zur vermeintlich sicheren Rechtslage der Störerhaftung: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/prozess-neues-gesetz-altes-recht-1.3752828
    „Die Sony-Anwälte argumentieren, das Gesetz sei mit Unionsrecht nicht vereinbar und daher unwirksam, weshalb McFadden zu verurteilen sei.“

    Sie sehen also, die aktuellen Rechtsaufsätze werden auch so von Anwälten angewendet und umgesetzt.

    Jeder, der keine Lust hat sich über die (Nicht-)Wirksamkeit des neues Gesetzes Gedanken zu machen oder darüber vor Gericht zu streiten, ist auch weiter gut beraten, Gäste NICHT mit der eigenen IP-Adresse in’s Netz zu lassen.

  2. Toni M. sagt:

    Ich muss das jetzt mal hinterfragen: Nur weil die Sony Anwälte sagen, dass das deutsche Gesetz nicht mit Unionsrecht vereinbar ist, sehen Sie die Reform des Telemediengesetzes als gescheitert an? Die Sony-Anwälte sind selbstverständlich das Maß der Dinge, wenn es um die objektive Bewertung des Telemediengesetzes geht. Es gibt eigentlich nur zwei Parteien, die die Wirksamkeit des neuen Gesetzes vehement anzweifeln: die Urheberrechteinhaber plus Anwälte und Unternehmen, die mit der Aufrechterhaltung einer unsicheren Rechtslage weiter Geld verdienen möchten. Wozu gehören denn Sie, Herr Lauterbach? Haben Sie denn aktuelle Beispiel, bei denen basierend auf dem gültigen TMG Gerichtsverfahren geführt wurden und eine unsichere Rechtslage vom Gericht bestätigt wurde? Ich lasse mich von Ihnen gerne eines Besseren belehren, ansonsten halte ich es für übertrieben, das Gesetz als unwirksam zu bezeichnen. Solche Ängste zu schüren, finde ich mit Blick auf die dringend benötigte Digitalisierung unseres Landes ziemlich kontraproduktiv.

  3. Wolfgang L. sagt:

    Ich kenne einige Leute, die auch im November (also nach in Kraft treten des neuen TMG) Abmahnungen von bspw. Waldorf Frommer erhalten haben.

    Fakt ist, dass man sich weiter tefflich darüber vor den Gerichten streitet und wer keine dicke Haut und Geldbeutel hat, besser Gäste nicht mit seiner IP Adresse in’s Netz läßt. Siehe bspw. derzeit auch: https://derstandard.at/2000070834253/Fehler-bei-IP-Adressen-Viele-Briten-faelschlich-wegen-Kinderpornos-verhaftet

    Zusammenfassend kann ich nur wiederholen:

    1. Ohne Provider und andere IP-Adresse besteht immer das Risiko einer Hausdurchsuchung samt Hardware-Beschlagnahme (Stichwort: Strafrecht ungleich Zivilrecht).
    2. Die Auswirkungen der neuen Rechtslage sind leider nicht so eindeutig wie vordergründig beschrieben.

    Gerne dahingehend neben Sony auch die erste umfassende rechtliche Analyse der Reichweite der Änderungen des 3. TMG­ÄndG; Titel: Sperranspruch statt Störerhaftung? – erschienen in der MMR 2017, 583. Dort heißt es:

    „Der vorliegende Beitrag stellt den Inhalt der Reform dar, skizziert die zentralen Veränderungen gegenüber der gegenwärtigen Rechtslage und zeigt auf, dass auch die nunmehr beschlossenen Änderungen nicht die lang ersehnte Rechtssicherheit für Betreiber öffentlicher WLAN­Hotspots mit sich bringen werden.“

    Das Fazit von Ass. iur. Andreas Sesing / Cand. iur. Jonas S. Baumann fällt wie folgt aus:

    „Die Neuregelung des 3. TMG­ÄndG schafft nur wenig Rechtssicherheit für WLAN­-Betreiber. Unterlassungsansprüche gegen WLAN­-Betreiber nach den Grundsätzen der Störerhaftung werden durch den unklaren Anspruch des § 7 Abs. 4 Satz 1 TMG ersetzt, womit die Fallkonstellation der Nutzung illegaler Musiktauschbörsen keiner zufriedenstellenden Lösung zugeführt wurde. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Änderungen möglicherweise als europarechtswidrig entpuppen.“

  4. Mira Darnow sagt:

    Gut, dass sich so vieles in der Netzwerktechnik tut. Vertrauen wir darauf, dass auch die Politik zum Schutze aller Beteiligten Schritt halten wird. Auf der Basis können Unternehmen agieren und Privatpersonen Komfort genießen. Ich bin im Großen und Ganzen zuversichtlich.

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