Jahresrückblick: So lief 2016, was uns 2017 erwartet

2016 war für die IT-Branche erneut ein sehr ereignisreiches und spannendes Jahr! Auf politischer Ebene gab es viele Themen, die sich über das ganze Jahr nahezu nahtlos aneinanderreihten. Aus einem eher technischen Blickwinkel betrachtet, bot das ablaufende Jahr für uns als Netzwerkhersteller einen ganz besonderen Meilenstein: die Entwicklung einer eigenen Lösung für ein zentrales, Cloud-basiertes Netzwerk-Design und Management (SDN / SD-WAN). Die Schlagwörter für diese bewegenden 365 Tage: WLAN-Störerhaftung, Endgerätefreiheit, Software-defined Networking, Digitale Souveränität, IT-Sicherheit und – ganz aktuell – die RED (Radio Equipment Directive), die neue EU-Richtlinie für Funkprodukte.

WLAN-Störerhaftung: Das Warten geht weiter

2016 brachte wider Erwarten nicht die gewünschte Rechtssicherheit bei der WLAN-Störerhaftung. Zwar verabschiedete der Bundestag mit den Stimmen der Regierungskoalition nach einem Machtwort der Kanzlerin im Juni das neue Telemediengesetz – doch konnte die Ratifizierung nicht jeden glücklich machen. Viele sahen weiterhin Schlupflöcher für gewiefte Abmahnanwälte. Im September richteten sich dann alle Augen nach Luxemburg. Dort wurde das Urteil im Rechtsstreit McFadden gegen Sony gesprochen. Viele Politiker, Netzaktivisten und auch Anwälte und Richter erhofften sich durch die Richter des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) endlich Klarheit in Sachen WLAN-Störerhaftung. Doch erneut kam es ganz anders als erwartet – und die Unsicherheit blieb. Am Ende sah sich unsere Bundesregierung in der Verantwortung, auch die letzten Hintertüren bei der WLAN-Störerhaftung auszuräumen. Ein neuer Entwurf für die Anpassung des Telemediengesetzes ist in Arbeit. Hoffen wir also, dass 2017 endlich das definitive Aus für die WLAN-Störerhaftung bringt.

Endgerätefreiheit tritt in Kraft

Am 1. August war es so weit: Schluss mit dem Routerzwang, Internetnutzer dürfen frei entscheiden, mit welchem Endgerät sie ins Netz gehen. Ganz so einfach war es am Ende doch nicht. Für eine echte Wahlfreiheit braucht es eine große Produktvielfalt am Markt. Diese kann aber nur gewährleistet werden, wenn alle Provider ihrer Pflicht zur Schnittstellenveröffentlichung nachkommen, damit Hersteller gezielt kompatible Geräte entwickeln können. Gerade bei den Kabelnetzbetreibern bestand bei der Schnittstellenbeschreibung noch viel Nachholbedarf, das wurde – trotz Gesetz – jahrelang vernachlässigt. Mittlerweile haben die meisten Kabelnetzbetreiber aber ihre „Hausaufgaben“ gemacht.

Die Zukunft gehört Software-defined Networking

Würden wir bei LANCOM das Wort des Jahres wählen, der Begriff „SDN – Software-defined Networking“ stünde sicherlich ganz oben auf der Liste. Kaum ein anderes Thema hat uns in diesem Jahr sowohl auf operativer als auch auf strategischer Ebene mehr bewegt. Und der deutsche und europäische Markt ist reif für SDN! Die Reduzierung von Komplexität und Kosten sind zwei der stärksten Argumente, mit denen SDN aufwartet. Zahlreichen Gespräche mit Kunden und Partnern, die wir über das ganze Jahr auf Messen, in Meetings oder im Vier-Augen-Gespräch geführt haben, bestätigen, dass SDN die Zukunft moderner Netzwerke ist. Unsere LANCOM Management Cloud (LMC) soll ab April 2017 SDN für alle LANCOM Netzwerkkomponenten verfügbar machen. Es stehen uns also noch einige spannende Wochen bevor. Wir freuen uns aber schon jetzt auf die CeBIT 2017, wo wir unseren Partnern und Kunden einen detaillierten Einblick in die LMC bieten werden.

Digitale Souveränität: Es geht voran

Bei der Digitalen Souveränität gab es 2016 ein Highlight, das ich sehr begrüßt habe. Mit den neuen „Ergänzenden Vertragsbedingungen“ (EVB-IT) für den Kauf von Hardware durch die öffentliche Hand wurden IT-Dienstleister dazu verpflichtet, nur noch Hardware zu liefern, die frei von Backdoors ist. Damit wurde ein ganz wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Digitalen Souveränität genommen: die langfristige Etablierung vertrauenswürdiger ITK-Lösungen in staatlichen Netzen. Daneben sorgte vor allem das neu gestrickte Datenschutzabkommen, das sogenannte EU-US-Privacy Shield, für viele Diskussionen in der Öffentlichkeit und für gemischte Gefühle im Bezug auf unsere digitale Selbstbestimmung.

IT-Sicherheit: Der Dauerbrenner

Fast wöchentlich erreichten uns in 2016 Negativschlagzeilen zur IT-Sicherheit. Wie wichtig in unserer digitalisierten Welt die Sicherheit von IT-Infrastrukturen und –Komponenten ist, hatte zuletzt ein weltweiter Hacker-Angriff auf DSL-Router gezeigt. Die alleine durch diesen Angriff hervorgerufenen Schäden bleiben bis auf weiteres unüberschaubar – und trotzdem ist das Thema schon wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Auch in meinem Blog war die IT-Sicherheit in diesem Jahr ein Dauerbrenner. Erfreulich: Im Mai machte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Nägel mit Köpfen und veröffentlicht ein Testkonzept für Breitbandrouter. Zwar erst mal nur für Consumer-Geräte, aber die Ansätze sind gut und lassen darauf hoffen, dass wir uns auch irgendwann über ein ähnliches Testkonzept für Business-Router freuen dürfen. Beunruhigend: Im Mai und Juni veröffentlichte Umfrage-Ergebnisse belegen, dass zwar das Wissen über IT-Sicherheit steigt, Verbraucher und Unternehmen dennoch wissentlich Risiken eingehen. Enttäuschend: Die im November vorgestellte Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland entpuppte sich an relevanten Stellen als Plan mit Lücken.

Gefährdet die EU-Kommission den WLAN-Markt?

Ganz aktuell machte letzte Woche ein Thema in den Medien die Runde, auf das wir gerne verzichtet hätten. Dabei geht es um eine drohende Marktzugangsblockade für WLAN-Geräte, die von der EU-Kommission durch eine zu kurze Übergangsfrist für eine neue Funkprodukte-Richtlinie (Radio Equipment Directive – RED) wissentlich in Kauf genommen wird. In meinem vorherigen Blog-Beitrag erfahren Sie mehr. Leider wird uns dieses unliebsame Thema auch in das neue Jahr begleiten. Die EU-Kommission ist nun in der Pflicht, den größtmöglichen Schaden für Hersteller, Handel und Kunden abzuwenden!

Sie sehen, 2016 war ein aufregendes Jahr. 2017 wird dem in nichts nachstehen. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Leserinnen und Lesern meines Blogs bedanken und wünschen Ihnen und Ihren Familien einen guten Rutsch und ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr!

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