IT-Nachwuchs: Ohne Engagement wird das nichts

IT-Nachwuchs_Informatik fuer Schueler10.712 – so viele Schulabgänger entschieden sich, laut Statistischem Bundesamt, im Jahr 2014 für den Ausbildungsberuf des Fachinformatikers. Damit rangiert der Beruf auf Platz 14 der beliebtesten Ausbildungsberufe in Deutschland. Und auch die Zahl der Studierenden in den Fachbereichen Informatik und Elektrontechnik ist in den vergangenen Jahren gestiegen (2012/2013: 240.169; 2014/2015: 268.578 Quelle: Statistisches Bundesamt). Zugegeben, das liest sich auf den ersten Blick ganz vielversprechend. Auf den zweiten Blick darf aber berechtigter Zweifel daran gehegt werden, ob mit diesen Zahlen der tatsächliche „Bedarf“ der deutschen Wirtschaft gedeckt werden kann.

Nahezu jedes mittelständische und große Unternehmen in Deutschland benötigt heutzutage IT-Fachleute. Davon sind ausnahmslos alle Branchen betroffen – nicht nur wir IT-Unternehmen. Wir müssen also befürchten, dass das bei Weitem nicht ausreicht.

Und genau deshalb sehen wir uns als Unternehmen in der Verantwortung, hier zu agieren und die Nachwuchsförderungen in Eigeninitiative anzustoßen. Doch was kann ein mittelständisches Unternehmen tun, um jungen Menschen die Begeisterung für Technik zu vermitteln?

Schon in der Schule für Technik begeistern

Christoph Barbier, Schulleiter Heilig-Geist-Gymnasium Würselen, und Ralf Koenzen bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung

Christoph Barbier, Schulleiter Heilig-Geist-Gymnasium Würselen, und Ralf Koenzen bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung

Was ist naheliegender, um als Unternehmen möglichst eng mit Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu treten, als eine Schulkooperation? Das haben wir uns 2010 auch gedacht und sind eine Partnerschaft mit einem Gymnasium aus unserer Nachbarschaft eingegangen. Seitdem bringen wir regelmäßig spannende Themen, die uns als Unternehmen bewegen, in die Klassenzimmer, um bei den Schülerinnen und Schülern das Interesse an LANCOM und an unserer Technik – aber natürlich auch der IT im Allgemeinen – zu wecken. Auch stehen Vor-Ort-Termine für die Schülerinnen und Schüler auf dem Lehrplan, hier bekommen sie einen Einblick in das Unternehmen und sehen, wie Entwickler, Programmierer, Supporter und Co. arbeiten. Ein praktischer Teil, bei dem gelötet und programmiert wird, rundet die ganze Theorie ab.

Doch auch an anderer Stelle ist es sinnvoll, sich frühzeitig zu engagieren. Es klafft immer noch eine riesen Lücke zwischen der Anzahl der männlichen und weiblichen Auszubildenden im Berufsfeld Informatik. Den rund 26.000 männlichen Azubis und den rund 148.000 Informatikstudenten stehen in Deutschland lediglich knapp 1.900! Auszubildende und circa 36.000 angehende Informatikerinnen gegenüber (Stand 2014/2015 Quelle: Statistisches Bundesamt). Hier gibt es also noch viel Spielraum zur Anpassung.

Girls´ Day bei LANCOM: Ein-Cip-Computer bauen, löten und programmieren

Girls´ Day bei LANCOM: Ein-Cip-Computer bauen, löten und programmieren

Eine tolle Initiative hierfür ist der Girls‘ Day, der Mädchen gezielt mit „Jungs-Berufen“ in Berührung bringen soll. Der Girls‘ Day ist ein fester Bestandteil des LANCOM Jahres. Bereits seit 2008 laden wir regelmäßig Schülerinnen dazu ein, einen Tag lang bei LANCOM zu erleben, was es heißt, in der IT zu arbeiten.

Im letzten Jahr hatten die Schülerinnen erstmals die Chance, ihren eigenen Ein-Chip-Computer zu bauen, zu löten und zu programmieren. Dieser durfte am Ende der Veranstaltung auch von den Teilnehmerinnen mitgenommen werden. In Eigenregie ließ sich das erworbene Wissen dann zuhause vertiefen.

Am diesjährigen Girls‘ Day, der vergangene Woche stattfand, haben wir das Programm dann erneut angeboten – und sind wieder auf große Begeisterung bei den Mädchen gestoßen.

Nach der Schule ist vor dem Studium

IT-Nachwuchsförderung_IT-Nachwuchs_Studenten_Informatik

Stipendienfeier der RWTH Aachen: Stipendiaten mit Udo Brocker (links) und Marie Meyer-Schwickerath (rechts) von LANCOM

Mit dem Ende der Schulzeit kündigt sich eine wegweisende Entscheidung für die jungen Menschen an: Ausbildung oder Studium? Oder sogar beides? Immer häufiger führt der Weg die frischgebackenen Abiturienten direkt an die Hochschulen und Universitäten. Weshalb es für Unternehmen unerlässlich ist, auch bei den Studierenden schon früh auf sich aufmerksam zu machen: Stichwort „Fachkräftemangel“. Zwar ist die Zahl der Studentinnen und Studenten im Fachbereich Informatik in den vergangenen zwei Jahren gestiegen, allerdings ist auch die Gesamtzahl der Studierenden gewachsen. Vermutlich ist dies auf die höhere Zahl der Schulabgänger, die in 2011 und 2012 erstmals die verkürzten Abiturjahrgänge abgeschlossen haben, zurückzuführen. Absolventen der Fachrichtung Informatik werden jedenfalls von Unternehmen händeringend gesucht. Hier ist fast schon ein richtiges „Wettwerben“ zwischen Konzernen und Mittelständlern um die Gunst der klügsten Köpfe ausgebrochen.

Wir als Mittelständler versuchen, mit früher Kontaktaufnahme mitzuhalten. Bereits seit einigen Jahren unterstützen wir das NRW-Stipendienprogramm und greifen jährlich bis zu fünf Studierenden des Fachbereichs Informatik der RWTH Aachen finanziell unter die Arme. Der vielversprechende IT-Nachwuchs kann sich dank der finanziellen Förderung voll und ganz auf sein Studium konzentrieren.

Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten der Nachwuchsförderung. Um junge Menschen für die Digitalisierung und den sicheren Umgang mit neuen Medien zu begeistern und zu sensibilisieren, haben wir uns erneut dazu entschieden, den Bundesjugendwettbewerb MyDigitalWorld zu sponsern. Hier werden kreative Projekte und Ideen junger Menschen gesucht, die die digitale Welt sicherer machen. Das muss gefördert werden, damit junge Menschen schon früh eine Plattform für ihre Ideen haben. So kann sich ihre Begeisterung für Technik festigen und so später die Entscheidung beflügeln, einen technischen Berufsweg einzuschlagen.

Auch zukünftig werden Unternehmen in die Nachwuchsförderung investieren müssen. Das ist allein perspektivisch für den Erhalt des Wirtschafts- und Technologiestandorts Deutschland zwingend erforderlich. Und seien wir mal ehrlich: die digitale Welt bietet so viel Spannendes, das es zu entdecken gibt, es müssen nur die richtigen „Knöpfe“ bei den jungen Menschen gedrückt werden.

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