Frequenzpolitik: Vergesst das WLAN nicht!

Wohnhaus mit zahlreichen DrahtlosnetzwerkenEs wird schnell voll im 2,4 GHz-Frequenzband, schließlich tummeln sich dort WLAN-Fernseher, Laptops, Tablets, Babyphones, Mikrowellen, schnurlose Telefone, Bluetooth-Lautsprecher, ZigBee-fähige Geräte und vieles mehr. Dass es mal so richtig eng wird im unlizenzierten Frequenzspektrum, damit hatte Anfang der 2000er Jahre, als die ersten kommerziellen WLAN-Geräte das Licht der Welt erblickten, wohl niemand gerechnet. Folglich war es auch nicht kritisch, dass zu dieser Zeit nur ein überschaubares Spektrum im 2,4 GHz-Bereich für die unlizenzierte Nutzung zur Verfügung stand.

Seither ist jedoch viel passiert. Drahtlostechnologien sind aus unserem Alltagsleben nicht mehr wegzudenken, und die Anzahl der drahtlosen Geräte, die in diesem begrenzten Teil des Funkspektrums herumschwirren, ist exponentiell angestiegen. Dieser Prozess setzt sich bis heute ungebremst fort. Das Resultat: Es wird immer enger im 2,4 GHz-Band – und selbst das 5 GHz-Frequenzband, das 2002 zusätzlich für den unlizenzierten Betrieb freigegeben wurde und schon heute Vielen als letzte Zuflucht dient, wird absehbar an seine Grenzen stoßen.

Es ist also kein Wunder, dass die WLAN-Industrie bereits seit einigen Jahren darauf drängt, weitere Frequenzbänder für die lizenzfreie Nutzung zu öffnen.

FCC macht den ersten Schritt

In den USA hat man die Rufe erhört und rückt dort einer Lösung immer näher. Die FCC (Federal Communications Commission), die US-amerikanische Behörde für die Regulierung der Rundfunk-, Satellit- und Kabelkommunikation, plant aktuell die Freigabe des 6 GHz-Bands für einen unlizenzierten Betrieb. Die ersten Schritte zur Regulierung wurden bereits eingeleitet. Experten hoffen bis Ende 2019 auf den Abschluss des Prozesses. Damit wäre dann die unlizenzierte Nutzung von 6 GHz erlaubt und der Weg frei für weitere Drahtlosnetzwerke und neue Standards.

Ein um das 6 GHz-Band erweitertes WLAN-Spektrum könnte theoretisch für eine Verdopplung des bisherigen Frequenzspektrums sorgen. Damit einhergehen würde auch ein enormer Performance- und Kapazitäts-Anstieg und als positive Folge dieser Effizienzsteigerung ein erheblicher Innovationsschub für drahtlose Netze und ihre Anwendungsszenarien.

Frequenzknappheit auch in Europa

Doch das Problem der überfüllten Funkbänder ist natürlich kein US-amerikanisches Phänomen. Deutlich wird dies vor allem, wenn wir in die europäischen Ballungsräume schauen. Insbesondere das 2,4 GHz-Band stößt dort ganz klar an seine Belastungsgrenzen. Auf engstem Raum reihen sich private Drahtlosnetzwerke an Unternehmensnetze. Selbst den heute noch gut nutzbaren 5 GHz-Frequenzbereich wird aller Voraussicht nach langfristig das gleiche Schicksal ereilen. Außerdem sind nicht nur die steigenden WLAN-Nutzerzahlen eine Herausforderung. Wie auch im Mobilfunk entwickelt sich WLAN permanent weiter und bringt neue bandbreitenhungrige Standards – demnächst z. B. IEEE 802.11ax –, die zusätzliche Frequenzen benötigen. Somit ist schon jetzt perspektivisch nicht nur zu wenig Platz, sondern es fehlt auch an „Innovationsspielraum“ in den unlizenzierten Bändern.

Die EU und ihre Mitgliedsstaaten sollten daher aufmerksam in Richtung USA schauen und die dortigen Entwicklungen als Vorbild nehmen. Auch in Europa brauchen wir zwingend eine sinnvolle und langfristige Lösung, die den Weg für die unlizenzierte Nutzung neuer Frequenzblöcke freimacht. Immerhin: Hinter den Kulissen scheint sich schon etwas zu tun, so jedenfalls werten wir Diskussionen in der EU und bei ETSI, den Bereich zwischen 5925MHz bis 6425MHz für die Nutzung durch WLAN freizugeben.

WLAN so wichtig wie 5G

Daran gekoppelt brauchen wir auch ein klares Bekenntnis unserer Politiker zur Zukunftstechnologie WLAN! Genauso wie die Politik sich seit vielen Monaten in Brüssel und Berlin für den kommenden 5G-Mobilfunkstandard stark macht und über die Vergabe der dringend benötigten Frequenzen berät, müsste dies auch für WLAN geschehen. Denn WLAN braucht mehr als die endlich geschaffte Abschaffung der WLAN-Störerhaftung oder – bislang leider holprige – Förderprogramme wie WiFi4EU. WLAN (und all die anderen Funktechnologien im unlizenzierten Band) müssen eine feste Größe in der Frequenzpolitik werden!

Europas Politiker haben damit die Chance, Flagge zu zeigen und einer der am weitesten verbreiteten Funktechniken für die Zukunft den Rücken zu stärken. Zig Millionen privater Nutzer und hunderttausende Unternehmen würden dieses Signal begrüßen. Schließlich hilft die Öffnung weiterer Frequenzbänder auch dabei, die Digitalisierung unserer Gesellschaft noch stärker voranzutreiben und zu verankern.

 

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