„Entschlüsselungsbehörde“ soll kommen

Veröffentlicht am: 30. Juni 2016 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Technologie 1 Kommentar

blog-post_Verschluesselung_ZITIS_1200ZITIS soll sie heißen, die neue Behörde, die es mit Verschlüsselung und abhörsicherer Kommunikation aufnehmen soll. ZITIS steht für „Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich“ und wenn es nach der Bundesregierung geht, soll sie Ermittlungsbehörden zukünftig in die Lage versetzen, zum Beispiel die Verschlüsselung von Chat-Diensten zu knacken.

Doch halt: Hatten die Bundesregierung und allen voran Bundesinnenminister de Maizière in der Vergangenheit nicht betont, dass die Verschlüsselung in Deutschland unberührt bleibt? Jein, muss hier die Antwort lauten. Unternehmen sollen zwar nicht per Gesetz gezwungen werden ihre Verschlüsselungstechniken aufzuweichen oder zu umgehen, z. B. durch eine Hintertür, dass die Regierung aber untätig zusieht, war nie der Plan. Nun also will man die Fäden in die Hand nehmen. Eine Entscheidung, die zugegebenermaßen plötzlich, aber beim besten Willen nicht unerwartet kommt.

Das Dilemma von Politik und Öffentlichkeit

Damit zeigt die Diskussion um die Verschlüsselung in Deutschland einmal mehr, in welchem Dilemma sich unsere Politik und die Öffentlichkeit befinden. Auf der einen Seite wollen wir die Möglichkeit haben, sicher und vertraulich – sowohl im Privaten als auch im Berufsleben – zu kommunizieren, andererseits brauchen wir einen Staat, der dazu in der Lage ist, unsere Gesellschaft und unsere Werte mit dem geeigneten Werkzeug zu schützen.

Schon immer wurden die Freiheiten und Errungenschaften unserer modernen Internet-Gesellschaft auch von denen missbraucht, die unserer Gesellschaft schaden wollen. Die zunehmende und immer besser werdende Absicherung und Verschlüsselung privater und geschäftlicher Kommunikation wird so auch zum Werkzeug von Kriminellen und Terroristen, die diese zum Beispiel zur Planung und Durchführung von Angriffen und Attentaten auf uns alle nutzen. Somit steht die Bundesregierung vor der kniffligen Aufgabe, auch (aber nicht nur) im Cyberraum sicherheitsrelevante Erkenntnisse zu gewinnen. Wie genau soll das funktionieren? Ein Frage, auf die es offenkundig bis heute noch keine konkrete Antwort gibt. Eine Antwort könnte in Zukunft die ZITIS liefern. Die Pläne der Regierung werfen aber durchaus Fragen auf.

Kommt ZITIS zu spät?

So frage ich mich, ob sich der Aufwand für die Bundesregierung tatsächlich lohnt? Die Etablierung einer Fachbehörde, die sich ausschließlich mit Kryptografie und abhörsicherer Kommunikation beschäftigt, ist sicherlich mit einem enormen Kosten- und Zeitaufwand verbunden. Möglicherweise kommt ZITIS schlicht zu spät – schließlich wird die Verschlüsselung im Allgemeinen immer besser, und mehr und mehr Schwachstellen in Verschlüsselungs-Algorithmen werden behoben und Lücken in Übertragungsprotokollen geschlossen. Ob ZITIS irgendwann mit gleichwertigem Know-how wie eine US-amerikanische NSA aufwarten kann, ist fraglich. Laut Medienberichten sollen Techniken ausländischer Geheimdienste eingekauft werden, um den Wissensvorsprung aufzuholen.

Verschlüsselung bleibt unberührt

Die gute Nachricht: Die Verschlüsselung an sich soll weiterhin unberührt bleiben, versichert zumindest die Bundesregierung. Das heißt, es wird auch zukünftig in Deutschland kein Gesetz geben, das eine starke Kryptografie aufweicht. Dennoch bleibt mit Blick auf die neue „Entschlüsselungsbehörde“ ein fader Beigeschmack bestehen. Ob diese nämlich wirklich zu unserem Schutz beitragen kann, wird sicherlich umstritten sein.

Verwandte Posts

  1. Der Polizei-Staat kommt langsam aber sicher.
    Als notwendig vorgeschobene Gesetze treffen gewollt die Falschen. Wenn Bürger generell abgehört werden sollen, ist der Grund weder Verbrechensbekämpfung noch das Angstgespenst Terror.
    Es ist die planmäßige Überwachung um Störmungen in der Gesellschaft frühzeitig erkennen und gegenlenken zu können, damit die Macht erhalten bleibt.
    Und das alles gibt in kleinen Häppchen an Überwachung, denn große Stücke würden die Bevölkerung zum Auflehnen bringen. Mit den kleinen Schritten stellt sich eine langsame Gewöhnung ein.

    Die Datenschutz-Aktivisten müssen jedesmal von Neuem den gegen solche Gesetze die Bevölkerung mobilisieren, während die politische Führung es immer wieder neu versuchen kann bis die Bevölkerung es Leid ist dagegen aufzubegehren.
    Ich wäre hier für ein 3 Strike System gegen Überwachungsgesetze.
    Das ein Regierung (und nicht nur einzelne Legislaturperioden von Politikern) es nur 3 mal probieren darf und dann dürfen sie es nicht mehr probieren.

    Und das die Regierung solche Behörden und „Anti-Terror“-Gesetze beschließt während die Volksablenkung EM statt findet, zeigt dies ganz gut, dass die Bevölkerung möglichst wenig davon mitbekommen soll. Brot und Spiele für das Volk.

Kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.