DigitalPakt-Umsetzung: Wird wirklich getrödelt?

Veröffentlicht am: 27. Januar 2020 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Technologie, Trends Keine Kommentare

Deutschlands Schulen sollen endlich digitaler werden. Das wünschen sich nicht nur Lehrer, Schüler und Wirtschaft, sondern auch die Politik. Der DigitalPakt soll es richten, und der Druck ist hoch, endlich zu anderen europäischen Ländern aufzuschließen.

Knapp sieben Monate nach Start des milliardenschweren Förderprogramms hat der Tagesspiegel bei den Verantwortlichen vor Ort nachgefragt. Ziel der Abfrage war eine Bestandsaufnahme, wie schnell es mit der Digitalisierung in deutschen Schulen tatsächlich vorangeht. Ergebnis: eher schleppend.

Von den zur Verfügung stehenden 5 Milliarden Euro des DigitalPakts ist bislang nur ein Bruchteil abgerufen worden. Um genau zu sein 20 Millionen Euro, also nur rund 0,4 Prozent des Gesamtetats. Der Vorwurf, der prompt in vielen Medien und bei Verbänden auftaucht: Hier wird getrödelt. Doch sind die Länder, Schulen und Träger wirklich zu langsam, wenn es um die anstehende Digitalisierung geht? So einfach ist das nicht.

Ein Blick in die Länder

Das Bundesland Sachsen ist derzeit besonders schnell, wie die Tagesspiegel-Recherche zeigt: Bereits im vergangenen August wurde der erste Förderbescheid in Höhe von 3,6 Mio. Euro überreicht, 18 weitere Anträge mit einem Gesamtvolumen von 8,4 Mio. Euro wurden bereits freigegeben. Aber auch Hamburg ist mit geplanten Maßnahmen in Höhe von 7 Mio. Euro gut dabei. NRW hat bisher 750.000 Euro verplant, in Hessen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen und dem Saarland ist hingegen noch gar nichts passiert.

Gemeinsam haben alle jedoch, dass die nötigen Voraussetzungen mittlerweile geschaffen sind. Die Fördermittelrichtlinien sind veröffentlicht, die Antragsdokumente verfügbar, und die Medienberaterinnen und Medienberater touren durch die Schulen. Alleine 180 sind es in unserem Heimatland NRW, sie sollen die Schulen bei der Ausarbeitung der medienpädagogischen Konzepte unterstützen.

Allerdings brauchen die Schulen neben einem stimmigen pädagogischen Ansatz vor allem auch eines: eine klare Vorstellung davon, wie sie ihre digitale Infrastruktur sicher, leistungsfähig, nachhaltig und vor allem auch datenschutzkonform ausgestalten. Und das braucht Zeit, vielerorts muss erst wichtiges Digital-Knowhow aufgebaut werden.

Viel Aufklärungsbedarf bei Cloud-Lösungen

Gerade in Bezug auf Cloud-Lösungen – und die damit verbundenen Datenschutzfragen – erleben wir in der Praxis noch viel Aufklärungsbedarf. Nur wenige Schulen können sich dabei der Unterstützung ihrer Kultusministerien sicher sein, die meisten sind weitgehend auf sich alleine gestellt. So weist bislang nur das Kultusministerium Baden-Württemberg offen auf die Gefahren von Nicht-EU-Cloud-Lösungen in Schulen hin und untersagt deren Nutzung.

Besonders kritisch wird es bei „verborgenen“ Cloud-Diensten, wie sie etwa über das WLAN in die Schule kommen. Denn viele Schulnetze werden heute aus Effizienzgründen zentral gemanagt, was in der Praxis fast immer heißt: aus der Cloud.

Ein solches Cloud-Management löst eine der zentralen Herausforderungen, die die Tagesspiegel-Recherche zutage gefördert hat: die laufende Wartung und Pflege der Infrastruktur. Als eine Art Digitaler Hausmeister aus der Cloud automatisiert es dank modernster Technik (Software-defined Networking) die Verwaltung des Schulnetzes, sorgt für einen unterbrechungsfreien Betrieb und senkt gleichzeitig die Betriebskosten auf ein Minimum. Die Herausforderung: Dabei verlassen Daten fortlaufend das lokale Schulnetz, sodass ein Cloud-managed WLAN nur nach einer sorgfältigen datenschutzrechtlichen Prüfung beschafft werden sollte.

Geschützter Raum Schule auch in der digitalen Welt

Auf die wesentlichen Stolpersteine weisen Experten wie der Fachanwalt für Datenschutzrecht Dr. Eric Heitzer oder auch Marit Hansen, Landesdatenschutzbeauftrage aus Schleswig-Holstein, regelmäßig hin: Lösungen aus den USA und China sind mit dem strikten EU-Datenschutzrecht nicht vereinbar und haben in deutschen Schulen nichts zu suchen. Da verwundert es kaum, dass sich auch eine große Mehrheit der Deutschen in diesem Punkt verbindliche Vorgaben seitens der Politik wünscht.

Schulen und Trägern muss also ausreichend Zeit gegeben werden, sich auch mit solchen diffizilen Themen auseinanderzusetzen. Sonst besteht das reale Risiko, dass das Schul-WLAN zur Datenschutzfalle wird, kurz nach Inbetriebnahme wieder abgeschaltet werden muss und die Träger im schlimmsten Fall die Fördergelder kostet. Und das, obwohl es hierfür DSGVO-konforme Lösungen gibt, die die Daten unserer Schüler effektiv schützen.

Leuchtturmprojekte weisen den Weg

Trotz aller Komplexität: Es gibt sie, die digitalen Leuchtturmprojekte in deutschen Schulen. Einige davon haben wir direkt hier vor der Haustür, beispielsweise die Viktoriaschule in Aachen, wo Digitalisierung schon jetzt aktiv gelebt wird. Auch dort setzt man aus Wirtschaftlichkeitsgründen auf ein Netzwerkmanagement aus der Cloud und hat sich intensiv damit beschäftigt, wie dieses DSGVO-konform ausgestaltet werden kann. Oder die Villa Wewersbusch im nordrhein-westfälischen Velbert-Langenberg. In der privaten Ganztagsschule mit angeschlossenem Internat haben digitale Lernmethoden bereits 2012 Einzug in den Unterricht gefunden.

Ich bin sicher, aus solchen Leuchtturmprojekten lassen sich viele gute Tipps für eine erfolgreiche Digitalpakt-Umsetzung ableiten.

Verwandte Posts

Kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.