DigitalPakt: Schulen fordern den digitalen Hausmeister

Veröffentlicht am: 14. November 2019 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Technologie, Trends 1 Kommentar

Organisieren, reparieren und kontrollieren sind typische Aufgaben für einen Hausmeister. Oder kurz gesagt: Er kümmert sich darum, dass alles läuft und sich Lehrer und Schüler auf den Unterricht konzentrieren können. Offline. Und was in der analogen Welt funktioniert, kann für die digitale nicht verkehrt sein, denken sich zumindest viele deutsche Schulen. Denn viele Bildungseinrichtungen fordern momentan einen „digitalen Hausmeister“: „Nur durch ‚Kauf von technischem Gerät’ ist noch kein digitalisierter Unterricht erreicht!“, heißt es etwa. Die Hoffnung ist, dadurch die Lösung für ein weit verbreitetes Problem zu finden: die fortlaufende Pflege der (künftigen) digitalen Infrastruktur.

DigitalPakt sichert nur die Erstinvestitionen

Das Geld aus dem DigitalPakt fließt. Schulen können endlich in ihre digitale Ausstattung wie WLAN investieren und die Basis für moderne Lehrmethoden legen. Wie nötig das ist, zeigt eine aktuelle Umfrage des Westdeutschen Rundfunks für die ARD-Themenwoche „Zukunft Bildung“. Mehr als 5.000 Schulleiter kamen zu einem fast einheitlichen, ernüchternden Ergebnis: Die Digitalausstattung an Deutschlands Schulen ist nicht befriedigend. Doch nicht nur die schlechte technische Ausstattung ist ein großes Problem.

Was in größeren Unternehmen selbstverständlich ist, gibt es an den meisten Schulen nämlich nicht: einen geschulten IT-Admin. Daran ändern auch die Gelder aus dem Digitalpakt nichts. Sie lösen nur das Hardware-Problem, dürfen aber nicht bei der Herausforderung eingesetzt werden, den laufenden Betrieb zu meistern.

Digitaler Hausmeister kann helfen

Die Lösung des Problems könnte ein digitaler Hausmeister sein, wie ihn einige der vom WDR befragten Schulen fordern. Dieser wäre für die professionelle Wartung der Digitalausstattung zuständig und könnte so neben der Stabilität und Leistungsfähigkeit auch die Betriebssicherheit gewährleisten. Das Netz beinhaltet viele sensible Daten, die geschützt werden müssen. Doch wie könnte so ein digitaler Hausmeister in Zeiten eklatanten IT-Fachkräftemangels aussehen?

Der klassische Ansatz ist sicher die komplette Auslagerung an einen IT-Dienstleister, der dann die fortlaufende Wartung und Pflege übernimmt. Ein solcher Dienstleistervertrag ist jedoch mit signifikanten Kosten verbunden und wäre also nur dort denkbar, wo entsprechende Budgets für Administration, Wartung und Pflege vorhanden sind. Das ist beim Großteil der Schulen jedoch nicht der Fall. Eine zukunftsgerichtete Alternative könnte ein digitaler Hausmeister sein, der Software-basiert fast unbemerkt im Hintergrund aus der Cloud heraus agiert.

Mit der Cloud clever Zeit bei Wartung und Pflege sparen

Solch ein digitaler Hausmeister aus der Cloud bietet viele Vorteile, die bereits in der Wirtschaft genutzt werden. Die wohl größten Vorteile liegen in der Betreuung, Wartung und dem Rollout. Im Falle des Schul-WLAN kann all dies dann hochautomatisiert und mit wenigen Mausklicks aus der Ferne erfolgen.

Das ist eine große Entlastung, auch für den Geldbeutel. Den Schulen kann die aufwendige – und oft fehleranfällige – Eigenverwaltung des Schul-Netzwerks abgenommen werden, und Händler können Wartungsverträge viel günstiger anbieten, als dies früher der Fall gewesen wäre.

Unsere Erfahrung aus Projekten in der Wirtschaft zeigt: Ein über die Cloud gemanagtes Netzwerk braucht etwa 80 Prozent weniger Zeit für Wartung und Pflege – und gleichzeitig deutlich weniger Admin-Knowhow. Dadurch wird eine Auslagerung an ein Systemhaus oder eine IT-Abteilung deutlich kostengünstiger. Mindestens aber spart sie eine Menge Arbeit und Zeit ein.

Das ist vor allem – aber nicht nur! – ein großer Vorteil für Träger mit mehreren Schulen, deren Netze schnell und einfach aufeinander abgestimmt und nach einem einheitlichen Schema aufgebaut und betrieben werden können, einschließlich der so wichtigen Sicherheitsupdates. Außerdem sind anspruchsvolle Trennungen von sensiblen Verwaltungsdaten und dem operativen Unterrichtsnetz kein Problem.

Achtung beim Datenschutz

Aber: Wie bei allen Cloud-Diensten verlassen auch bei einem solchen Ansatz Daten das lokale Schulnetz, sodass auch auf den nötigen Datenschutz geachtet werden muss. Die Datenschutzgrundverordnung legt hierfür strenge Maßstäbe an, die leider längst nicht von allen Diensten erfüllt werden.

Zu diesem Schluss kommen nicht zuletzt Datenschutzexperten wie der Fachanwalt Dr. Eric Heitzer, der sich mit ausführlich mit dem Fragekomplex Cloud-Schule-Datenschutz auseinandergesetzt hat: „Die DSGVO beschränkt den Kreis zulässiger Dienstleister. Dies gilt insbesondere für Cloud-basierte Management-Lösungen, welche dem Dienstleister ein erhebliches Missbrauchspotential einräumen“, fasst er in einem Fachgutachten zusammen und führt weiter aus, dass „Anbieter aus Drittstaaten diese Voraussetzungen oft nicht [erfüllen], dies gilt insbesondere für Anbieter aus den USA aber auch aus China, die in erheblichem Umfang Zugriffen staatlicher Stellen ausgesetzt sind.“

Schule auch im Digitalen als geschützten Raum erhalten

Damit gilt auch für einen digitalen Hausmeister aus der Cloud, dass beim „Vorstellungsgespräch“ genau hingeschaut werden muss. Welchen Weisungen untersteht er, wie „verschwiegen“ ist er im Umgang mit sensiblen Informationen, wie zuverlässig und vertrauenswürdig?

Denn am Ende ist die alles entscheidende Frage, wie Schule auch in der digitalen, vernetzten Welt ein geschützter Raum bleiben kann. Ganz unabhängig davon, ob wir über Lernplattformen, Messenger, File-Sharing oder das Netzwerkmanagement aus der Cloud sprechen, wo besonders sensible Daten wie Mac- und IP-Adressen sowie Verkehrsdaten verarbeitet werden.

Wird hier nicht genau hingeschaut, sind immerhin die Daten von potentiell rund acht Millionen deutschen Schülern betroffen.

PS: Noch bis Ende der Woche widmet die ARD dem Thema „Zukunft Bildung“ eine ganze Themenwoche mit vielen hochspannenden Beiträgen in der Mediathek.

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