Digitale Transformation im Einzelhandel: WLAN ist ein Muss

WLAN_Digitale_Transformation_im-Einzelhandel_blogDer Einzelhandel steckt in der Krise! Ein Satz, der uns immer wieder begegnet. Eine sehr pessimistische Sichtweise, wie ich finde. Richtig ist, dass der stationäre Handel sich durch die Digitalisierung in einem bis dato nicht gekannten Wandel befindet. Die Herausforderungen sind vielfältig: Online-Shop und Filiale sinnvoll verknüpfen, langfristig Kunden binden, vor Ort ein ganz neues Kundenerlebnis (neudeutsch: „Customer Experience“) schaffen. Doch diese Herausforderungen bieten auch Chancen. Die digitale Transformation gibt den Händlern ganz neue Möglichkeiten, mit ihren Kunden zu interagieren.

Der Handel braucht leistungsstarke Drahtlosnetzwerke

Brechen wir die Anforderungen neuer, digitaler Anwendungen in den Filialen auf einen gemeinsamen Nenner herunter, wird schnell klar, was der Einzelhandel heutzutage braucht: leistungsstarke Drahtlosnetzwerke. Bei nahezu allen mobilen Diensten ist WLAN die bevorzugte Technik.

Gerade neue Dienste in den Filialen helfen, die Kundenbindung zu stärken und das Einkaufserlebnis nachhaltig zu steigern. Hier entscheidet es sich für den Einzelhändler, ob er sich langfristig gegen die wachsende Zahl der Etailer behaupten kann.

Ein gutes Beispiel für neue Services und Dienste in den Filialen ist der klassische WLAN-Hotspot für Kunden. Dieser wird auch für Einzelhändler immer mehr zur Pflicht, wie eine repräsentative Umfrage des BITKOM zeigt. Dabei wird der drahtlose Zugang zum Internet vom Kunden auf vielfältige Weise genutzt: für Streaming-Dienste, die als Zeitvertreib beim unliebsamen Shopping-Ausflug dienen, als Tor zu den Sozialen Medien, in denen der Kunde als Markenbotschafter sein Einkaufserlebnis mit Freunden teilt, oder um online nach Testergebnissen und Rezensionen zu dem gerade entdeckten Produkt zu suchen.

Die Einzelhändler können den Hotspot gleichzeitig als weiteren Marketingkanal nutzen. Das funktioniert zum Beispiel wunderbar über eine Anmeldeseite, die dem Kunden Infos zum Unternehmen und zu aktuellen Angeboten bereitstellt.

WLAN-Störerhaftung als „Spielverderber“

Damit wird der WLAN-Hotspot zum waschechten Mehrwert für den Kunden und zum ergänzenden „Sprachrohr“ für den Händler. Doch ein Wermutstropfen, mit dem nicht nur Einzelhändler zu kämpfen haben, bleibt: die WLAN-Störerhaftung. Erst im Sommer hatte sich die Bundesregierung nach zähem Ringen entschlossen, die WLAN-Störerhaftung abzuschaffen. Allerdings machte im September der Europäische Gerichtshof mit seinem Urteil in der Rechtssache McFadden gegen Sony der deutschen Legislative einen Strich durch die Rechnung. Eigentlich hatten wir alle uns von den Richtern in Luxemburg Klarheit in Sachen WLAN-Störerhaftung erhofft. Zunächst hat das vorliegende Urteil aber Fragen unbeantwortet gelassen und die bestehende Verunsicherung nicht vollständig beseitigen können.

Infolgedessen sind Unternehmer weiterhin zurückhaltend, was die Öffnung ihrer Drahtlosnetzwerke angeht. In diesem Zusammenhang freut es uns sehr, dass das Bundeswirtschaftsministerium nun beim Telemediengesetz noch einmal nachbessern will. Ziel ist es, endlich den rechtssichern Betrieb von WLAN-Hotspots in Deutschland zu garantieren – und der Praxis der Abmahnindustrie einen endgültigen Riegel vorzuschieben.

WLAN: Mehr als nur Hotspot

Abseits der Kunden-Hotspots gibt es noch viele andere Dienste, die mit einem Wireless LAN in einer Filiale realisiert werden können. Die Verschmelzung von Online-Shop und stationärem Handel setzt beispielsweise den Einsatz mobiler Clients, in den meisten Fällen Tablets, zwingend voraus. So kann der Kunde gemeinsam mit dem Mitarbeiter bequem über das Tablet Ware ordern, die in der Filiale nicht vorrätig ist. Ein anderes Beispiel: Die Abläufe bei der Inventur werden durch den Einsatz von Geräten zur mobilen Datenerfassung (MDE-Geräte), die direkt über das WLAN mit dem Warenwirtschaftssystem kommunizieren, deutlich gestrafft. Auch die bargeldlose Zahlung mit dem Smartphone braucht eine schnelle und mobile Internetanbindung, um Spaß zu machen und nicht in Frust umzuschlagen.

Doch vergessen darf man an dieser Stelle nicht, dass ein WLAN nur so leistungsfähig ist, wie die dahinterliegende Internetanbindung. Der Handelsverband Deutschland beklagt regelmäßig das Fehlen einer flächendeckenden Breitbandanbindung. Zu Recht! Schließlich braucht der Einzelhandel für die digitale Transformation leistungsstarke Internetanbindungen. Gerade in ländlichen Gebieten besteht in dieser Hinsicht in Deutschland noch immer Nachholbedarf.

Wegbereiter der digitalen Transformation im Einzelhandel

Ein sehr gutes Beispiel für die gelungene Integration mobiler Anwendungen ist das Modelabel Marc O´Polo. In den rund 130 eigenen Stores ermöglicht ein flächendeckendes WLAN neben der Inventur über die Radio-Frequency-Identification-Technik (RFID) auch einen Kunden-Hotspot und den Einsatz von Tablets im Verkaufsgespräch. So optimiert Marc O´Polo seine Abläufe in den Filialen, steigert das Einkaufserlebnis seiner Kunden und rundet sein Omnichannel-Angebot optimal ab.

Das Beispiel zeigt, dass Einzelhändler mit einem professionellen WLAN bereits viel für die digitale Transformation tun können. Natürlich steckt hinter der Digitalisierung des Handels noch weit mehr als nur die Implementierung eines Drahtlosnetzwerks. Dennoch: Das WLAN ist die Basis, um digitale Anwendungen und Dienste in die Filialen zu bringen – und die Kunden werden es dem Händler danken!

Hoffen wir nur, dass die Politik bald die richtigen Rahmenbedingungen schafft.

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