Das war 2020: Ein nicht nur technologischer Jahresrückblick

Veröffentlicht am: 17. Dezember 2020 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Unternehmen Keine Kommentare

Kurz vor Weihnachten ist auch hier in meinem Blog traditionell die Zeit, das zurückliegende Jahr Revue passieren zu lassen. Fest im Blick: die großen Techtrends und die wichtigsten netzpolitischen Themen, die uns beschäftigt haben. Allen voran der DigitalPakt Schule, Wi-Fi 6E, SD-WAN und das krachende Scheitern des EU-US Privacy Shield vor dem Europäischen Gerichtshof.

Allerdings war 2020 so völlig anders. Die Corona-Pandemie hatte und hat uns immer noch fest im Griff. COVID-19 hat unser Leben und Arbeiten radikal verändert. Wir mussten lernen, mit einem Virus zu leben, gegen das wir bis heute kein wirkungsvolles Mittel haben bis auf den sozialen Abstand. Ein Virus, das es uns abverlangt, Teile des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens zumindest phasenweise nahezu vollständig herunterzufahren.

Dennoch standen Wirtschaft und Gesellschaft auch 2020 nie ganz still.  In nicht wenigen Branchen wurde die Pandemie sogar zum größten Digitalisierungstreiber, den wir je gesehen haben.

Leben in der „neuen Normalität“

Was wir später einmal unseren Kindern und Enkelkindern über diese „besonderen“ Zeit erzählen werden, weiß ich noch nicht. Nach vielen Monaten mit der Pandemie und der „neuen Normalität“ ist aber klar: Jeder von uns musste und muss sich einschränken. Von heute auf morgen gingen ganze Unternehmen ins Homeoffice, Reisetätigkeiten wurden nahezu vollständig eingestellt, ganze Wirtschaftszweige geschlossen und viele Firmen und Freiberufler – vor allem aus den Branchen Tourismus, Event, Kultur und Gastronomie – kämpfen um ihre Existenz.

Der soziale Kontakt fehlt

Was für mich über das gesamte Jahr aber am schwersten wog, ist der fehlende soziale Kontakt. Und das nicht nur privat, sondern natürlich auch als Firmenlenker. Innerhalb kürzester Zeit haben wir die LANCOM beim ersten Lockdown „remote-fähig“ gemacht. Ein Großteil der Kommunikation zwischen den Teams spielt sich mittlerweile über Online-Tools ab. Wir haben gelernt, mit der neuen Situation umzugehen und es klappt erfreulich gut. Dennoch fehlt uns das persönliche Miteinander schmerzlich, und wir sehnen den Tag herbei, an dem wir wieder ganz normal zusammenkommen können.

Ebenso schmerzlich vermissen wir den direkten Austausch mit unseren Partnern und Kunden. Schließlich war es bis vor wenigen Monaten noch selbstverständlich, dass man sich auf Messen oder Events trifft und wichtige Projekte vor Ort besprochen werden. Das ist aktuell noch ganz weit weg. Zwar ist es uns auch hier gelungen, in kürzester Zeit Alternativen zu schaffen, um in Kontakt zu bleiben: zum Beispiel mit tollen neuen digitalen Formaten wie unserem LANupdate@home oder dem Themenforum DigitalPakt Schule – oder unserem ersten virtuellen Top-Partner-Summit, das diese Woche stattfand. Doch vollends ersetzen können sie den persönlichen Austausch nicht. 

Mit der Brechstange ins digitale Schul-Zeitalter

Kalt erwischt von der Pandemie wurden auch unsere Schulen. Spätestens mit dem ersten Lockdown vor Ostern wurde deutlich, wie sehr der Rückstand bei der Digitalisierung zum Hemmschuh für Fernunterricht wurde.  Dabei hatten Experten schon vor Beginn der Pandemie 2020 kritisiert, dass beim Abruf der DigitalPakt-Mittel zu sehr getrödelt würde. Dann kam Corona und die Schulen wurden quasi mit der Brechstange in das digitale Zeitalter katapultiert – was man nicht zuletzt an den Zahlen sehr gut ablesen kann. Seit Herbst verzeichnen wir einen starken Anstieg an Schulprojekten, und auch die Mittelabrufe aus dem Digitalpakt nehmen merklich zu. Die Schuldigitalisierung nimmt also mehr und mehr Fahrt auf.

Das ist wichtig, dennoch bleibt ein fader Beigeschmack: Denn der Datenschutz kommt wie so oft auch bei der Schuldigitalisierung viel zu kurz. Viele Schulträger schafften in der Krise im Eilverfahren Cloud-Dienste an, deren Nutzung datenschutzrechtlich nicht einfach nur bedenklich ist, sondern  unzulässig. Ein Problem, das sich aber nicht nur auf die vielen Chat- & Collaboration-Tools einschränken lässt, sondern auch für einen so sensiblen Bereich wie das Schul-WLAN gilt. Um dieses Dilemma aufzulösen, brauchen die Schulträger die Unterstützung von Politik und KMK – die bis heute leider weitgehend fehlt.

Privacy Shield-Aus verschärft Datenschutzdiskussion

Spätestens im Juli wurde mit dem Scheitern des EU-US Privacy Shields vor dem EuGH die Datenschutzproblematik dann noch einmal verschärft. Durch den Urteilsspruch im Rechtsfall Schrems vs. Facebook ereilte die Datenschutz-Absprache zwischen der EU und den USA das gleiche Schicksal wie ihren Vorgänger „Safe Harbor“. Die Folge: über Nacht wurden Datentransfers an US-Unternehmen auf Basis dieses Abkommens unzulässig. Davon sind alle Firmen, Schulen, öffentlichen Einrichtungen und Behörden betroffen, die Cloud-basierte Chat-, Videokonferenz- und Collaborations-Tools nutzen, Daten bei großen Cloud-Anbietern verarbeiten oder ihre Netze aus der Cloud managen. Wer also Compliance-Risiken minimieren und Datenschutzverstöße sowie die damit einhergehenden Bußgelder vermeiden möchte, muss spätestens jetzt genau hinsehen, was mit den Daten passiert und welchem nationalen Recht der Anbieter unterliegt.

6 GHz als Turbo fürs WLAN

Eher schleichend kündigte sich hingegen eine Veränderung an, die die Erfolgsgeschichte WLAN in ein völlig neues Zeitalter hieven wird. Das Zauberwort? 6 GHz. Zum ersten Mal seit mehr als 15 Jahren macht sich die EU auf den Weg, neue Frequenzen für WLAN freizugeben. Mit der Öffnung des 6 GHz-Bandes wird das bis dato verfügbare Spektrum auf einen Schlag quasi verdoppelt! Gemeinsam mit anderen WLAN- und Chip-Herstellern und mit der großartigen Unterstützung vieler nationaler Regulieren und der EU, haben wir gerade auch in 2020 intensiv daran mitgearbeitet, den Weg für Wi-Fi 6E – so der kommerzielle Name – zu ebnen. Läuft alles glatt, beginnt schon Mitte 2021 ein neues WLAN-Zeitalter, das viele spannende Möglichkeiten für innovative Anwendungen und Szenarien bereithalten und für die Industrie zu einer echten – zumal deutlich günstigeren – Alternative für lokale 5G-Campusnetze werden dürfte. LANCOM wird voraussichtlich Mitte 2021 erste Wi-Fi 6E-fähige Produkte in den Markt bringen. Dabei setzen wir auf eine Triband-Lösung, um eine breite und flexible Nutzung aller Funkbänder zu ermöglichen. Das bedeutet, dass unsere Wi-Fi 6E Access Points sowohl im 2,4-, dem 5- und 6 GHz-Band funken werden.

SD-WAN immer stärker auf dem Vormarsch

Ebenfalls im Umbruch befindet sich der Markt für die sichere Standortvernetzung. Längst beschäftigen sich nicht mehr nur Großkonzerne mit der Möglichkeit, klassische VPN- oder teure MPLS-Netze durch SD-WAN zu ersetzen. Auch im Mittelstand kommt die Technologie immer mehr an. Gute Gründe für einen Umstieg auf SD-WAN gibt es allemal: ein SD-WAN besticht durch hohe Flexibilität, Automatisierung, Zukunftsfähigkeit und Sicherheit – und ganz „nebenbei“ lassen sich massiv Zeit und Kosten einsparen. Wer mit der Technologie noch nicht so vertraut ist, der findet auf unserer Webseite mit dem Whitepaper „8 gute Gründe für ein SD-WAN“ einen guten ersten Einstieg.

Was die Zukunft bringt

Auch der Blick nach vorne zeigt: Digitalisierung und digitalpolitische Initiativen bleiben neben der Pandemie die beherrschende Themen. Im Gesundheitssektor soll das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) für moderne, digitale Infrastrukturen sorgen und damit mehr Effizienz und Sicherheit in Kliniken und Krankenhäusern bringen. Das IT-Sicherheitsgesetz 2.0 schaffte es gerade noch rechtzeitig vor der Weihnachtspause ins Kabinett, blickt aber angesichts vieler Streitpunkte auf eine ungewisse Zukunft im Parlament. Und in Sachen Routerzwang heißt es „wachsam bleiben“ und die weiteren Entwicklungen rund um das neue Telekommunikationsmodernisierungsgesetz (TKModG) genau im Blick zu behalten, das sich aktuell in der Abstimmung befindet.

Last, but not least, dürfte 2021 eine lang ersehnte Stärkung der Verbraucherrechte bringen: mit dem Entwurf eines „Gesetzes zur Regelung des Verkaufs von Sachen mit digitalen Elementen“, wie es sperrig heißt, sollen Nutzer vernetzter Geräte erstmals ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Sicherheitsupdates bekommen. Auch das behalten wir für Sie selbstverständlich im Blick.

Kein Zweifel: 2020 wird in die Geschichtsbücher als das Jahr der Corona-Pandemie eingehen. Und natürlich wird die Corona-Krise uns auch 2021 weiter begleiten. Doch mit der Zulassung der ersten Impfstoffe besteht zumindest die Hoffnung auf eine baldige Erleichterung – und darauf, dass dann auch endlich ein Stück Normalität zurückkehren kann. Bis dahin gilt es, durchzuhalten und die Bemühungen der Politik zum Schutz Aller zu unterstützen. Ich wünsche Ihnen gerade wegen der besonderen Umstände ein besinnliches Weihnachtsfest. Kommen Sie gut ins neue Jahr und bleiben Sie bitte gesund!

Verwandte Posts

Kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.