Berufsschulen: Viel Luft nach oben bei der Digitalisierung

WLAN in Schulen mit Access Point an der Wand und im Hintergrund SchülerEtwas fassungslos war ich schon, als ich lesen musste, wie schlecht es um die Digitalisierung in deutschen Berufsschulen steht. 40 Prozent der Einrichtungen haben kein WLAN, vielen mangelt es an Soft- und Hardware-Ausstattung, und den meisten fehlen eine grundlegende Digitalisierungsstrategie sowie die notwendigen personellen und zeitlichen Ressourcen. Kurz: Den deutschen Berufsschulen geht es nicht gut.

Anspruch und Realität

Richtig absurd wird es gar, wenn nicht einmal angehende Fachinformatiker auf Basiswerkzeuge wie Drahtlosnetzwerke und benötigte Software zurückgreifen können oder gar kompetente Fachlehrer fehlen. Genau das scheint jedoch der Fall, glaubt man einer internen Analyse des Bundeswirtschaftsministeriums. Wie sollen unter diesen Umständen ernsthaft jene junge Menschen ausgebildet werden, die Unternehmen bei der digitalen Transformation begleiten?

Eine Finanzspritze von einer Milliarde Euro soll es richten, zumindest fordert die Noch-Bundeswirtschaftsministerin Zypries diesen Betrag. Dass hier etwas passieren muss, darüber sind sich Bund, Länder und Kommunen einig. Dicke Fragenzeichen stehen nur hinter dem Wie und Wann.

Positive Signale aus der Politik

Eine gute Nachricht vorweg: alle Parteien, die momentan für eine Regierungsbildung auf Bundesebene in Frage kommen, haben sich in ihren Wahlprogrammen für eine Digitalisierung der deutschen Schulen ausgesprochen. Nun müssen zum Beispiel mit dem von Bundesbildungsministerin Wanka angekündigten Digitalpakt Nägel mit Köpfen gemacht werden. Wie genau der Digitalpakt am Ende aussehen wird und wie viele Mittel der Bund fließen lässt, bleibt indes unklar.  Eine nähere Planung und Umsetzung wird erst nach den Koalitionsverhandlungen erwartet.

Damit der Bund die Länder und Kommunen überhaupt beim Thema Bildung finanziell unterstützen kann, hatten Bundestag und Bundesrat im Juni extra eine Grundgesetzänderung auf den Weg gebracht. In der Vergangenheit lag die Bildungs- bzw. Schulpolitik – und damit auch die Investitionen in IT-Infrastruktur und Equipment – ausschließlich bei den Ländern und den Kommunen.

Aber auch die Länderregierungen sind nicht untätig. So wurde zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen im Januar das Projekt „Gute Schule 2020“ ins Leben gerufen. In den nächsten vier Jahren lässt die Landesregierung jährlich 500 Millionen Euro für die Sanierung und Modernisierung von NRWs Schulen fließen – auch für Investitionen in die IT-Infrastruktur.

Schule und Digitalisierung kein Widerspruch

Dass Schule und Digitalisierung sehr gut zusammenpassen, das zeigen Projekte unserer Kunden. An der Freiherr-vom-Stein-Schule in Neumünster nutzen die Schüler eigene Endgeräte, mit denen sie über WLAN an eine digitale Lernplattform angebunden sind – auf diese Weise konnten die Investitionskosten für die Schule minimiert werden. In Luxemburg wird das Thema Vernetzung sehr ernst genommen und aktiv vom Staat gefördert. Mit der „eduWiFi“-Kampagne will das Luxemburger Bildungsministerium alle Sekundarschulen im Land mit WLAN versorgen. Ein Infrastrukturpaket sorgt dafür, dass keine Einrichtung außen vor bleibt.

Für ein deutsches Schulsystem – und hier zumindest für alle weiterführenden Schulen – würde ich mir eine vergleichbare Initiative zum Aufbau einer IT-Basisinfrastruktur wünschen. Allerdings sollte das Hand in Hand mit weiteren Maßnahmen gehen: Lehrkräfte müssen geschult und medienpädagogische Konzept erarbeitet werden, damit digitale Medien sinnvoll in den Lehrplan eingebunden werden können. Gerade Berufsschulen müssten sich mit ihren Inhalten und Lehrplänen noch stärker an den Bedürfnissen der Unternehmen ausrichten. Hier könnten sich noch engere Kooperationen mit der Wirtschaft positiv auswirken. Unternehmen hätten so die Chance, sich mit hilfreichen Beiträgen aus der Praxis direkt in den Unterricht einzubringen, so wie wir es zum Beispiel seit vielen Jahren in unserer Partnerschaft mit dem Heilig Geist Gymnasium in Würselen machen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Dennoch: Ganz ohne finanzielle Mittel geht auch ein solcher Plan nicht auf, und hier sind Bund, Länder und Kommunen gleichermaßen in der Pflicht. So dürfte es dann auch mit dem WLAN an Deutschlands Berufsschulen aufwärtsgehen.

PS: Trotz der prominenten (inzwischen bei vielen Anbietern gestopften) WLAN-Sicherheitslücke (KRACK) aus der vergangenen Woche sollten die Verantwortlichen nicht die Bremse bei der Digitalisierung ziehen. Schulen müssen bei der Auswahl ihrer Lösungsanbieter stets beachten, dass sie ausschließlich Produkte und Lösungen von Herstellern einsetzen, die im Bedarfsfall schnell reagieren und kurzfristig Sicherheits-Updates für ihr Produkte zur Verfügung stellen können.

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