Alles nur noch 5G? Das wird nicht klappen!

Veröffentlicht am: 30. Januar 2019 Autor: Ralf Koenzen Veröffentlicht in Netzpolitik, Technologie, WLAN 2 Kommentare

Die Medien sind wieder voll davon: 5G, wohin man nur sieht. Kein Wunder, war doch am vergangenen Freitag Anmeldeschluss für die nächste große Frequenzauktion. Wer künftig bei 5G in Deutschland als Netzbetreiber mitspielen will, musste bis 15:00 Uhr des 26. Januars die nötigen Anmeldeunterlagen bei der Bundesnetzagentur einreichen.

Das Interesse war nicht nur in den Medien riesig. Erstmals warfen nicht nur die drei etablierten Netzbetreiber ihren Hut in den Ring: Mit 1&1 Drillisch mischt nun ein Vierter bei der Versteigerung der 5G-Frequenzen mit. Es dürfte also spannend werden, wenn die Auktion dann tatsächlich stattfindet. Ende März soll es soweit sein.

5G: Türöffner in die Echtzeit-Zukunft

Technologisch wie wirtschaftlich ist 5G hochspannend. Auf Basis von 5G können mobile Echtzeitanwendungen realisiert werden, die heute noch nicht denkbar sind. Grund dafür sind seine enormen Datenraten – bis zu 10 GBit/s im Download sollen unter Idealbedingungen möglich sein – sowie vor allem die extrem geringen Latenzzeiten von weniger als einer Millisekunde. Beliebte Anwendungsbeispiele, die immer wieder genannt werden, sind Industrie 4.0, autonomes Fahren, Künstliche Intelligenz (KI) oder auch die Telemedizin.

Allerdings ist 5G de facto eine Provider-Technologie. Selbst wenn in Deutschland – wie derzeit geplant – 100 MHz an Frequenzen für die lokale Nutzung durch die Industrie zur Verfügung gestellt werden sollten, wird 5G für das Gros der Unternehmen nur als kostenpflichtiger Mobilfunkdienst zur Verfügung stehen. Jede Maschine, jedes System, jeder Sensor (IoT) – schlichtweg alles, was über 5G vernetzt werden soll, braucht dann eine eigene SIM-Karte (oder die entsprechende elektronische Variante – eSIM) mit entsprechendem (kostenpflichtigen) Vertrag.

Drahtlos = mobil? Der Unterschied liegt im Detail

Es gibt Anwendungen, bei denen der Weg über die Mobilfunknetze alternativlos ist. Ich denke hier an wirklich mobile Szenarien, die ortsungebunden stattfinden. Das autonome Fahren ist eines dieser Beispiele, ebenso Smart Farming. Auch Smart Cities sind auf Basis von 5G sehr gut denkbar. Hinzu kommt der Einsatz in Gebieten, in denen es kein leitungsgebundenes Highspeed-Internet gibt. Hier hat 5G als vollwertiger Gigabit-Internet-Zugang Potential. Dies gilt ebenso als Backup-Verbindung für geschäftskritische Prozesse.

Ganz anders sieht es bei lokalen Szenarien aus. Bei kabellosen Anwendungen und Angeboten, die in einem räumlich klar eingegrenzten Gebiet realisiert werden sollen, etwa innerhalb von (Büro)Gebäuden, in Schulen und Universitäten, in Stadien, Fabriken oder Logistikzentren, in Kliniken, dem Hotel- und Gaststättengewerbe und dem Bildungssektor oder ganz schlicht zuhause. All diese Szenarien lassen sich deutlich wirtschaftlicher auf Basis einer anderen, seit vielen Jahren erprobten stationären Drahtlostechnologie realisieren: dem Wireless LAN.

Die Gründe liegen auf der Hand: Im Gegensatz zu Mobilfunknetzen können WLAN-Infrastrukturen in kürzester Zeit von Jedermann in Eigenregie aufgebaut und ohne zwischengeschalteten Provider betrieben werden. Dies hat große wirtschaftliche Vorteile. So fallen für den laufenden Betrieb eines WLAN keine nennenswerten Kosten an, keine teuren Lizenzen oder Verträge je Client. Gerade vor dem Hintergrund der mit dem Internet-of-Things (IoT) explosionsartig steigenden Anzahl zu vernetzender „Dinge“ ist das ein sehr gewichtiges Argument.

Hinzu kommt, dass sich Anwenderunternehmen mit ihrer eigenen Drahtlosinfrastruktur unabhängig aufstellen und ihre Netze vollständig unter Kontrolle haben. Überall dort, wo geschäftskritische Applikationen drahtlos vernetzt oder hoch sensible Daten übertragen werden, ist dies von unschätzbarem Wert.

Der Königsweg: Eine Dualität der Netze

Auf dem Weg in die von der Politik postulierte Gigabit-Gesellschaft brauchen wir zwingend ein Miteinander von mobilen und stationären Funktechnologien. Sowohl der Mobilfunk als auch das Wireless LAN haben ihre ganz spezifischen Stärken und Anwendungsfelder, die die jeweils andere Technologie nicht ersetzen kann. Das wird sich auch mit dem Ausbau der 5G-Infrastruktur nicht ändern.

Diese „Dualität der Netze“ setzt aber eines voraus: Nicht nur für den Mobilfunk – und ganz aktuell 5G – muss es regelmäßig Verhandlungen über neue Frequenzen geben. Auch das WLAN braucht hier dringend mehr Beachtung. Immerhin liegt die letzte „Frequenzzuteilung“ für Wireless LAN in Europa gut 15 Jahre zurück. Damals wurde zusätzlich zum 2,4 GHz Band erstmals das 5 GHz-Band für WLAN geöffnet.

Dass dies nicht mehr reicht, ist an allen Ecken und Enden spürbar. Allen voran in den Städten, wo es zunehmend schwieriger wird, störungsfreies WLAN zu bekommen. Auch der Blick auf die künftigen WLAN-Standards verdeutlicht die Misere. So setzt zum Beispiel Wi-Fi 6 schon heute auch auf Frequenzbereiche, die in Europa nicht für die Nutzung durch WLAN freigegeben sind.

Sind wir mal optimistisch, dass sich hier schon bald etwas tut.

PS: Tiefergehende Informationen zur WLAN-Frequenzthematik und zum aktuellen Stand der Diskussionen in den USA und Europa haben wir kürzlich ebenfalls hier im Blog zusammengefasst.

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  1. Ja das hoffe ich ebenfalls. Vor allem, wenn ich an die großzügigen “Flatrateangebote” der Provider denke mit z. B. 1 GB pro Monat inklusive. Das reicht bei 10 GBit/s nicht ganz für einen Monat, Tag, Stunde, Minute. Nein, noch nicht mal für eine Sekunde.

  2. Ich denke auch nicht, dass das mit 5G in naher Zukunft etwas wird. Es gibt einfach zu viele Probleme. Zunächst müssen die Frequenzbereiche versteigert werden. Da werden die Anbieter wieder Milliardenbeträge ausgeben müssen. Wer wird die Kosten tragen? Der Verbraucher, weil er dann die teuren 5G-Tarife bezahlen wird. Es wird Preissteigerungen geben.

    Außerdem zeigen Umfragen, dass viele Verbraucher gar keine so hohe Bandbreite brauchen. Stationär reicht den meisten ein Internetanschluss mit 50 Mbit/s völlig aus (Quelle: https://www.dslregional.de/news/5g-alternative-dsl-kabelinternet/ ). Vielmehr sollten die Anbieter zusehen, dass mehr Datenvolumen freigegeben wird. Ist das nämlich am Monatsende aufgebraucht, surft man bei den meisten Tarifen nur noch mit 64 kbit/s – Das ist Steinzeit!

    Statt in immer schnellere Geschwindigkeiten zu investieren, sollte lieber flächendeckend die Grundversorgung hergestellt werden. Heute brauchen wir das Internet fast so dringend wie Wasser und Strom. Dabei gibt es immer noch viele Dörfer, die nur mit 6 oder 16 Mbit/s angebunden sind. Diese müssen auf Satelliten-Internet oder LTE als Alternative zurückgreifen. 5G wird hier nicht weiterhelfen, weil die Reichweite noch stärker als bei LTE begrenzt ist. Die Anbieter müssten folglich noch mehr Masten aufstellen – das wird wieder Kosten.

    Mein kleiner Beitrag zum Thema 5G. In diesem Sinne…

    beste Grüße,
    Jonas

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